Zeitung Heute : Kompakter Citroën C3 - eine rundum runde Sache

Ingo von Dahlern

Sie sind leider längst Geschichte - jene Citroën-Modelle, die die Marke mit dem Doppelwinkel einst zur automobilen Avantgarde machten - ob die mit ihrem wegweisenden Design in den Fünfzigern geradezu revolutionäre "Deesse" oder auch das Minimalauto 2 CV - die "Ente", wie es bei uns liebevoll genannt wurde. Moderne Citroën-Modelle sind gemessen an diesen Konstruktionen früherer Jahre geradezu unauffällig, fallen nicht mehr aus dem Rahmen und damit auch nicht mehr auf - optisch zumindest. Bei der Technik sieht es ein wenig anders aus. Denn die avantgardistische Hydropneumatik hat sich bis heute nicht nur bewährt, sondern im Citroën C5 einen Entwicklungsstand erreicht, der zur technischen Spitzenklasse im Fahrwerksbereich gehört. Aber das kann man leider nicht mit den Augen wahrnehmen.

Doch auch für die gibt es jetzt eine neue Attraktion von Citroën - den neuen Kompaktwagen C3, der Ende nächsten Monats in die Verkaufsräume der deutschen Citroën-Händler rollen wird. So rund wie er ist kein Kompakter. Und auf den ersten Blick signalisiert er: Ich bin ganz anders als meine Konkurrenten in dieser Klasse. Statt auf die derzeit allgemein üblichen besonders großen Scheinwerfer in Klarglas-Technik und die eine oder andere kräftige Kante im Karosserieblech setzt er rundum auf kräftige Rundungen. Und das ganz besonders beim Dach, das von der ebenfalls stark gewölbten Kühlerhaube einen gewaltigen hohen Bogen bis zum Heck schlägt. Eine eigenwillige und kraftvolle Linie, die sogar ein wenig an den 2CV erinnert, mit dem der C3 ansonsten nichts gemein hat oder gemein haben möchte - abgesehen davon, dass er endlich wieder ein Citroën mit ausgeprägtem eigenen Charakter ist.

Charakter allein allerdings reicht heute nicht mehr aus, um Menschen zum Kauf eines Autos zu bewegen. Hinter der ansprechenden Fassade muss sich auf jeden Fall ein attraktives Angebot verbergen. Und hier hat der C3 durchaus einiges zu bieten. Platz verspricht die nur 3,85 Meter lange und 1,67 Meter breite Karosserie, die mit 1,52 Meter ungewöhnlich hoch ausgefallen ist. Und der ist für Fahrer und Beifahrer auch tatsächlich in jeder Richtung großzügig für diese Klasse. Doch im Fond findet diese Großzügigkeit leider nicht ihre überzeugende Fortsetzung. Zwar besticht er auch dort durch seine große Kopffreiheit, doch bei der Kniefreiheit schafft es der C3 nicht, für seine Klasse neue Maßstäbe zu setzen.

Vergleichsweise groß ausgefallen mit 305 Liter ist dafür der Laderaum. Und der ist zudem noch variabel, so dass er sich durch Vorklappen der asymmetrisch geteilten Rückbank auf bis zu 1155 Liter erweitern lässt. Mit Hilfe eines aus Kunststoff betehenden faltbaren Zwischendecks - Citroën nennt es Moduboard - lässt sich das Staufach zudem variabel aufteilen und mit einem durchgehenden zweiten Boden versehen. Allerdings bleibt angesichts dieser Technik die Laderaumlänge auf 66 Zentimeter begrenzt, denn die Rückstitze des C3 lassen sich nicht komplett nach vorn umklappen. Die Nutzlast liegt übrigens bei 465 bis 485 Kilo - man kann im C3 also eine Menge transportieren.

Für die Passagiere des C3 zählt neben dem Platz vor allem, dass der C3 sich mit sehr großen Fensterflächen einschließlich der stark gewölbten Frontscheibe als ein sehr helles und luftiges Auto präsentiert. Besonders hell und luftig wird der C3, wenn er mit dem großen und besonders breiten Glasdach ausgestattet ist, das aus zwei Elementen besteht. Einer fest eingebauten Glasfläche im hinteren Dachbereich und einer beweglichen vorn. Die wird mit Hilfe eines Elektroantriebs geöffnet und geschlossen und lässt im C3 fast schon so etwas wie ein Cabrio-Feeling aufkommen. Sollte es einem bei allzu kräftig strahlender Sonne zu hell und auch zu warm im Auto werden, dann schaffen zwei Sonnenschutzrollos mit wenigen Handgriffen den nötigen Schatten.

Man sitzt vergleichsweise hoch im C3, hat also einen besonders guten Blick auf das Verkehrsgeschehen. Und die - allerdings nicht allzu praktische Fahrersitz-Höhenverstellung, das in Höhe und Neigung verstellbare Lenkrad und der in der Länge um 23 Zentimeter verschiebbare Sitz machen es dem Fahrer leicht, eine bequeme und sichere Position hinterm Steuer zu finden. Beim Blick auf das ebenfalls durch runde Formen geprägte recht übersichtliche Armaturenbrett fällt allerdings auf, dass die hier verarbeiteten Kunststoffe nicht unbedingt die Qualitätsanmutung mancher Konkurrenten erreichen, vor allem was die Haptik angeht, also das Gefühl beim Berühren der Oberflächen.

Mit seinen kompakten Abmessungen ist der C3 ein ideales Stadtauto, das sich dank der elektrischen Servolenkung auch im dichten Stadtverkehr bequem dirigieren und problemlos ein- und ausparken lässt, wobei eine elektronische Einparkhilfe, die beim Einlegen des Rückwärtsgangs aktiviert wird, ausgesprochen hilfreich ist. Doch der Platz für Passagiere und Gepäck macht dem C3 zugleich auch zum vollwertigen Familienauto, mit dem man problemlos auf große Fahrt gehen kann.

Dabei sorgt das komfortable Fahrwerk mit seiner Federbeinachse vorn und einer neu entwickelten Verbundlenkerachse hinten für angemessenen Fahrkomfort auch auf langen Strecken und bietet hohe Fahrsicherheit, wenn man sich zügig auf kurvigen Landstraßen bewegt, wo man sich dann allerdings noch ein wenig mehr Seitenhalt durch die Sitze wünschte.

In den vier Ausstattungsvarianten X, SX, VSX und Exclusive und mit vorerst drei von fünf Motoren geht der C3 Ende April an den Start. Das sind die beiden Benziner mit 1,1 Liter und 44 kW (60 PS) und 1,4 Liter und 54 kW (73 PS), denen schon bald als dritter Benziner der erst vor zwei Jahren eingeführte moderne 1,6-Liter-Vierventiler mit 80 kW (109 PS) zur Seite tritt. Außerdem gibt es im C3 zwei moderne direkt einspritzende Turbodiesel mit Common-Rail. die zu jener Motorengeneration gehören, die gemeinsam mit Ford entwickelt wurde. Schon der 1,4-Liter HDi mit 50 kW (68 PS) macht den C3 nicht nur bis zu

165 km/h schnell, sondern mit einem Durchschnittsverbrauch von 4,2 l/10 km auch erfreulich sparsam. Und noch sehr viel agiler wird der C3 mit der stärkeren Variante dieses Motors mit Vierventil-Zylinderkopf und variablem Turbolader, die 66 kW (90 PS)

leistet. Alle Triebwerke sind mit einem Fünfgang-Schaltgetriebe kombiniert. Den 1,4-Liter-Benziner gibt es auf Wunsch aber auch mit der lernfähigen Viergang-Automatik, die in einer speziellen Schaltgasse auch von Hand geschaltet werden kann. Gebremst wird mit Scheiben vorn und je nach Ausstattung Trommeln oder Scheiben hinten. Neben dem ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung gehört auch ein Bremsassistent zur Serienausstattung.

Die zeigt sich ebenso komplett wie die Sicherheitsausstattung, zu der neben Airbags vorn und Seitenairbags auch Windowbags gehören. Und dank moderner Multiplex-Technik kann Citroën im neuen C3 auch solche Details wie einen Regensensor, einen Tempomaten oder mit Hilfe der Mobilfunktechnik auch eine Ferndiagnose bei Pannen durch die Werkstatt anbieten. So ist der C3 ein übrigens auch sehr kinderfreundlicher Kompakter, der durchaus attraktive neue Akzente sowohl in seiner Klasse setzt als auch für die Marke mit dem Doppelwinkel. Seine Preise beginnen bei 11 250 Euro.

Daten auf einen Blick

Karosserie: Viertürige Limousine.

Maße/Gewichte: 3,85 m lang, 1,67 m breit, 1,52 m hoch, Radstand 2,46 m, Leergewicht 978-1058 kg, Zuladung 465-485 kg, Kofferraum 305-1155 l, Tankinhalt 45 l.

Antrieb: Vierzylinder-Benziner mit 1,1 Liter und 44 kW (60 PS), 1,4 Liter und 54 kW

(73 PS), 1,6 Liter mit Vierventiltechnik und 80 kW (109 PS), direkt einspritzende Turbodiesel mit Common Rail und 1,4 Liter und 50 kW (68 PS) und mit Vierventiltechnik und 66 kW (90 PS), Fünfgang-Getriebe, Viergang-Automatik mit sequenzieller Schaltgasse für manuelle Bedienung, Frontantrieb.

Fahrwerk: Einzelradaufhängung vorn mit Federbeinen, hinten Verbundlenkerachse. Zahnstangenlenkung mit elektrischer Servounterstützung, vorn Scheibenbremsen, hinten Trommelbremsen oder Scheibenbremsen, ABS. mit elektronischer Bremskraftverteilung und Bremsassistent.

Fahrleistungen: 10,7-17,3 s von Null auf Tempo 100, 157-192 km/h.

Verbrauch: Durchschnittlich 4,2-6,5 l/100 km.

Preise: 11 520 Euro (1.1 X 44 kW), 12 770 Euro (1.4 SX 54 kW), 13 120 und 15 870 Euro (1.4 HDi X und Exclusive 50 kW).

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