Zeitung Heute : Konkrete Beispiele verwenden

Überzeugen (1): Auf die Argumente kommt es an

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Power Point ist eine schöne Sache. Aber letztlich, findet Tim Wagner, kommt es beim Überzeugen nicht so sehr auf technische Raffinessen an – wichtiger sind die Werkzeuge, die der Mensch immer bei sich trägt: seinen Kopf, seine Stimme, seine Ausstrahlung.

Wer vertrauenswürdig und kompetent wirkt, dem hört das Publikum auch mit größerem Wohlwollen zu, sagt der RhetorikExperte, der an der Humboldt-Universität Antike Philosophie unterrichtet und seit mehreren Jahren für den Wettbewerb „Jugend debattiert“ der Hertie-Stiftung Schüler und Lehrer im überzeugenden Reden trainiert. „Wer überzeugen will, muss sich inhaltlich gut vorbereiten, den Stoff so strukturieren, dass deutlich wird, was für seine Position spricht, und diese Gründe auf möglichst verständliche Weise vortragen. Je besser das Publikum nachvollziehen kann, warum der Redner sich für etwas ausspricht, desto mehr Vertrauen bringt es ihm entgegen.“

Konkret heißt das: Im ersten Teil der Rede muss klar werden, worum es geht. Um die Spannung zu halten, sollte man nicht mit der Tür ins Haus fallen, sondern erst Gründe anführen und dann Schlüsse daraus ziehen. „Es ist besser zwei Gründe gut zu erklären als zehn nur anzureißen“, empfiehlt Wagner.

Und welche Argumente ziehen am besten? Redner verweisen gerne auf Aussagen von Fachleuten oder auf Statistiken, um ihre Behauptungen zu begründen; derartige „Autoritäts-Argumente“ sind aber oft weniger überzeugend, als wenn sich ein Redner auf allgemein geteilte Überzeugungen berufen kann, etwa: „Man muss seine Versprechen halten. Deswegen soll die Türkei in die EU aufgenommen werden.“

Eine weitere goldene Regel lautet: Anschaulichkeit. Allgemeine Gesetzmäßigkeiten sollten durch Beispiele oder Vergleiche fassbar gemacht werden. Kurze Hauptsätze sind besser als verschachtelte Konstruktionen, allgemein übliche Ausdrücke besser als Metaphern oder Fremdwörter. Und auf den letzten Satz sollte der Redner oder die Rednerin besonders viel Mühe verwenden, denn er bleibt am ehesten im Gedächtnis haften: „Der letzte Satz der Rede soll die Botschaft als logische Konsequenz aus den zuvor genannten Gründen präsentieren.“D.N.

Tim Wagner hält am 18. November um 17 Uhr 30 einen Vortrag in der Urania zum Thema „Überzeugend reden in Alltag, Schule, Studium und Beruf“ (Eintritt 5 Euro, ermäßigt 4,50 Euro).

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