Zeitung Heute : Konkurrenz für die Nordmänner

Die Korktanne könnte dem deutschen Verkaufsschlager den Rang ablaufen.

Ins Netz gegangen. Derart verpackt gelingt der Transport nach Hause am besten.
Ins Netz gegangen. Derart verpackt gelingt der Transport nach Hause am besten.Foto: ZB

Der meistverkaufte Weihnachtsbaum in Deutschland ist mit über 70 Prozent Marktanteil seit Jahren die Nordmanntanne. Aber womöglich nicht mehr lange, sagt der Vorsitzende der Bayerischen Christbaumanbauer und stellvertretende Bundesvorsitzende, Thomas Emslander. Das große Manko der Nordmanntanne: Sie verströmt keinen typischen Tannenbaum-Weihnachtsduft. Der neue Trendbaum komme aus Nordamerika, prognostiziert Emslander. Schmal, dichtbenadelt – und vor allem gut duftend.

„Der perfekte Baum sollte viele Nadeln haben und zwischen 1,80 und 2,20 Meter hoch sein“, so der Fachmann. Weil der Nordmanntanne der typische schöne Duft fehle, könnte ihr die Korktanne, die ursprünglich aus Nordamerika kommt, demnächst den Rang ablaufen. „Je größer die Städte werden, desto kleiner werden die Wohnungen, und desto schmaler müssen die Bäume sein. Trotzdem sollten sie natürlich schick aussehen, mit vielen Nadeln.“ All das treffe auf die bis zur drei Meter hohe Korktanne zu. Obendrein rieche sie gut und sei besonders resistent gegen Frost. Die Abies lasiocarpa Compacta ist allerdings nicht nur eine sehr ansprechende und wertvolle, sondern auch teure Zwergkonifere: Die Preise wachsen ab 48,99 Euro aufwärts.

Und was ist mit Fichten? „Bis Ende der 1950er Jahre hatten die Menschen Rotfichten in der Wohnung“, weiß Emslander. „Die hatten einen Marktanteil von sage und schreibe 100 Prozent. Das wird kein Baum mehr schaffen.“ In den 1960er bis Mitte der 1970er Jahre seien dann Blaufichten total angesagt gewesen. „Sie sind dichter. Außerdem hat sich durch Hollywood-Filme das Weihnachtsbaum-Image in Deutschland gewandelt.Die US-Amerikaner hatten Blaufichten in ihren Wohnzimmern stehen – also wollten das die Deutschen auch.“ Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre habe dann die Zeit der Nordmanntannen begonnen. „Die Fichte hat heute ein Arme-Leute-Image.“ Die Tanne habe eben etwas Besonderes, Klassisches an sich. „Es heißt ja auch ,O Tannenbaum‘ und nicht ,O Fichtenbaum‘. Auch für uns als Christbaumanbauer sind Tannen angenehmer: Man kann sie besser anbauen und transportieren. Wenn sie ins Netz gepackt und wieder ausgewickelt werden, überstehen sie das unbeschadet.“

Ob ein Weihnachtsbaum beim Kauf frisch ist, erkennt man an seiner kräftigen Farbe. Die Nadeln sollten gleichmäßig gefärbt sein und keine braunen Spitzen haben, erläutert die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände in Berlin. Ein weiteres Qualitätszeichen: Die Nadeln sitzen auch dann noch fest an den Zweigen, wenn der Baum geschüttelt wird. Frisch geschlagene Weihnachtsbäume vom Waldbauern oder Forstamt aus der Region sind grundsätzlich länger haltbar. Darauf weist der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) in Bonn hin. Auch aus ökologischer und ökonomischer Sicht ist das sinnvoll. Denn Bäume aus entfernten Wäldern – zum Beispiel in anderen Ländern – müssen lange Strecken zurücklegen. Weihnachtsbäume werden am besten in einem Netz nach Hause transportiert. Wer dafür das Auto nimmt und den Baum aufs Dach packt, sollte unbedingt einen festen Spanngurt verwenden. Expander, Gummiriemen oder Schnüre sind für den Transport völlig ungeeignet, ergab ein Crashtest des ADAC. Steht der Baum mehr als einen Meter über das Fahrzeugheck hinaus, muss er mit einer roten Fahne gekennzeichnet werden. Um ihn vor Schäden durch Fahrtwind zu schützen, sollte er mit der Spitze nach hinten befördert werden.

Zuhause sollten Bäume aufrecht stehend und vor Sonne, Wind und zu viel Feuchtigkeit geschützt lagern, bis sie ins Haus geholt werden. Sie stehen am besten nicht auf einem Betonboden, sondern auf einem Untergrund aus Holz. Darauf trockne der Baum nicht so schnell aus. Weihnachtsbäume kommen am besten so spät wie möglich in die Wohnung – denn dort halten sich Nordmanntannen und Fichten im Durchschnitt nur gut zwei Wochen. Pro laufendem Meter müssen Verbraucher in diesem Jahr nach Angaben des RLV zwischen 16 und 22,50 Euro für Nordmanntannen hinlegen – genau wie im vergangenen Jahr. Stabil sind die Preise auch bei der Rotfichte: Sie kostet erneut fünf bis sieben Euro je laufendem Meter. Durch das kleinere Angebot in diesem Jahr koste die Blaufichte etwas mehr: Die Preise liegen zwischen zehn und 14 Euro.epd/dpa

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