Zeitung Heute : Konzept: Überleben - Der Sender will bis 200 Stellen abbauen, auslagern, kooperieren

Eckhard Stengel

Die geplante Halbierung des ARD-internen Finanzausgleichs zwingt Radio Bremen (RB) dazu, innerhalb von sechs Jahren bis zu 200 der über 600 Planstellen zu streichen. Der kleinste ARD-Sender muss seinen Jahresetat von rund 181 Millionen für das laufende Jahr bis auf etwa 147 Millionen Mark für das Jahr 2006 reduzieren. Deshalb dürften auch diverse freie Mitarbeiter ihre Aufträge verlieren. Zudem beschneidet der Sender sein eigenes Programmangebot und seine Zulieferungen zum ARD-Gemeinschaftsprogramm. Das kündigte RB-Intendant Heinz Glässgen am Mittwoch an, nachdem er gemeinsam mit der Unternehmensberatung Roland Berger Grundzüge eines Überlebenskonzeptes entwickelt und vom RB-Rundfunkrat Zustimmung erhalten hatte.

Kündigungen will Glässgen "so weit wie möglich" vermeiden. Daher denkt er nicht nur an Abfindungen, Frühpensionierungen und vermehrte Teilzeitarbeit, sondern will auch ausscheidendem Personal bei Existenzgründungen helfen. So werden Umschulungen in Zusammenarbeit mit dem Arbeitssenator erwogen. Im Gespräch ist die Ausgliederung von Abteilungen, die dann nicht mehr nur für RB, sondern auch für das ZDF oder Privatsender arbeiten könnten. Bei den Zulieferungen für bundesweite Fernsehprogramme würde Bremen am ehesten auf ARD-Unterhaltungssendungen und 3sat-Beiträge verzichten. Auch das Dritte Programm N 3 muss mit weniger Bremer Beiträgen rechnen. Für unverzichtbar hält Glässgen jedoch Sendungen wie "3 nach 9", "Tatort" und natürlich das Regionalprogramm "buten & binnen".

Im Hörfunk soll RB möglichst alle vier Wellen behalten, aber nicht mehr jede Sendung selber produzieren. Glässgen will hier nicht nur weiterhin mit dem WDR kooperieren und mit dem NDR eine gemeinsame Welle ("Nordwest-Radio") gründen, sondern erwägt auch, dass das Kulturprogramm RB 2 Sendungen vom Deutschlandradio übernimmt. Glässgen nennt diesen Ansatz "relative Selbständigkeit für Radio Bremen" statt eines unbezahlbaren vollständigen Engagements in allen Fernseh- und Hörfunksparten.

Der Intendant sieht aber auch hausgemachte Probleme: Es herrschten Überkapazitäten, und das Personal werde nicht effektiv genug eingesetzt. Zudem hätten Kontroll- und Steuerungsinstrumente gefehlt, sagte Heinz Glässgen. Bei seinem Amtsantritt im Oktober 1999 habe er sich daher gefühlt wie ein Fahrer ohne Lenkrad.

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