KONZEPTKUNST„Secret Universe: Horst Ademeit“ : Vermessung der Kältestrahlen

Wann gibt es das schon in der Kunstwelt, dass man von den Außenseitern spricht, von jenen, die es nicht in den so genannten „Inner Circle“ geschafft haben? Die neue Ausstellungsreihe „Secret Universe“ im Hamburger Bahnhof könnte daher spannend werden. Im Ostflügel des Museums für Gegenwart sollen in den nächsten drei Jahren allesamt nicht etablierte Künstler und ihr Werk vorgestellt werden.

Den Anfang macht Horst Ademeit. Über Jahre hinweg hat der Fotograf, geboren 1937 in Köln, seine Umwelt dokumentiert, vor allem sogenannte „Kältestrahlen“, die er um sich herum zu spüren glaubte. Er ging bei seinen Untersuchungen, die er mit der Polaroid-Kamera festhielt, mit naturwissenschaftlicher Akribie vor. Er vermerkte Kalendertage, Messergebnisse in akkuraten, winzig kleinen Notizen. Sein Archiv umfasste mehrere tausend Aufnahmen. Mit der Ausstellung im Hamburger Bahnhof kommt Ademeit im Museum an.

Posthum wird er hier geehrt, er verstarb 2010. Ademeit hatte an der Kölner Werkkunstschule studiert, in den Siebzigern war er kurz bei Josef Beuys an der Düsseldorfer Kunstakademie eingeschrieben. Doch seine Konzeptkunst wurde erst zwei Jahre vor seinem Tod entdeckt. Warum war das so, während ähnliche Positionen Erfolge feiern? Wann ist Kunst Kunst? Diesen Fragen stellt sich die Reihe. Der Titel „Secret Universe“ bezieht sich nicht nur auf die teilweise kruden Welten der hier präsentierten und spät entdeckten Künstler. Es geht auch um das Rätsel „Kunstwelt“ an sich.

Anna Pataczek

Hamburger Bahnhof, Fr 13.5. bis So 25.9., Di-Fr 10-18 Uhr,

Sa 11-20 Uhr, So 11-18 Uhr,

12 €/erm. 6 €

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar