Zeitung Heute : Konzern auf dem Weg in die Spitzenliga

Pharmariese Pfizer setzt auf den Standort Berlin Ein Schwerpunkt ist die Krebsforschung

Cay Dobberke

Die Stadt hat sich als exzellenter Standort für klinische Studien etabliert.

Denn nirgendwo in Deutschland sind mehr Studienzentren an unseren Krebsstudien beteiligt als in Berlin.“

Andreas Penk, Deutschland-Chef des Pharmakonzerns Pfizer

Schon jetzt sei die Region Berlin-Brandenburg bundesweit das „wichtigste Zentrum der Medizin und Gesundheitswirtschaft“, sagt der Deutschland-Chef des weltgrößten Pharmakonzerns Pfizer, Andreas Penk. Sein Unternehmen will dazu beitragen, diese Position auszubauen. Penks Begründung ist ein Kompliment an Berlin: „Die Stadt hat das Potenzial, die bedeutendste Gesundheitsstadt in Europa zu werden und global in der Spitzenliga mitzuspielen.“ Deshalb und wegen der Nähe zu politischen Entscheidungsträgern hatte Pfizer seine Deutschlandzentrale im Oktober von Karlsruhe nach Berlin verlegt. Rund 15 000 Umzugskisten und 45 Lastwagen waren dafür nötig.

Im ehemaligen Volksbank-Haus am Potsdamer Platz arbeiten etwa 500 Beschäftigte in den Bereichen Human- und Tiermedizin, Klinische Forschung, Personal, Kommunikation, Finanzen und Marketing. 60 Prozent des Personals waren zuvor in Karlsruhe tätig, die übrigen Stellen wurden neu besetzt – zum Teil mit Berlinern. Auch jetzt noch gibt es Chancen auf einen Job bei Pfizer. „An Talenten und guten Bewerbungen sind wir immer interessiert“, sagt Penk. Im September kommen 16 Ausbildungsplätze hinzu, vor allem im kaufmännischen Bereich.

In Berlin betreibt Pfizer kein eigenes Labor, sondern kooperiert mit wissenschaftlichen und medizinischen Einrichtungen. Die Stadt habe sich „als exzellenter Standort“ für klinische Studien etabliert, begründet Penk das. „Nirgendwo in Deutschland sind mehr Studienzentren an unseren Krebsstudien beteiligt.“ Die Bedeutung in der Tumorforschung zeige sich auch darin, dass der Konzern von Berlin aus das gesamte europäische Onkologiegeschäft steuere.

Der aus Leipzig stammende 44-Jährige, der früher für ein Marktforschungsinstitut arbeitete, gibt sich zuversichtlich, bezeichnet den Konzern als „finanziell sehr stark“. Und er verweist auf einen Leitspruch von US-Konzernchef Jeff Kindler, wonach Menschen ungeachtet der Auf- und Abschwünge in der Wirtschaft nun einmal „leider weiterhin krank werden“ und Therapeutika benötigten.

Penk weiß, dass viele Menschen „beim Namen Pfizer vor allem an ein bekanntes Medikament gegen die erektile Dysfunktion denken“ – gemeint ist natürlich Viagra. Schließlich ist das Potenzmittel seit seiner Erstzulassung 1998 weltweit von rund 35 Millionen Männern angewendet worden, darunter mehr als eine Million in Deutschland. „Viagra ist ein echter Klassiker mit stabilem Umsatz.“

Andererseits sei das Spektrum der Arzneimittel, die der weltweite Marktführer herstellt, natürlich wesentlich breiter – von Medikamenten gegen Volkskrankheiten wie Rheuma, Herz-Kreislauf-Probleme, Schmerzen oder Störungen des zentralen Nervensystems bis hin zu „innovativen Arzneimitteln gegen seltene Erkrankungen“ – etwa in der Augenheilkunde und der Krebstherapie.

Pfizer bekenne sich nicht nur zu Berlin, sagt der Chef, sondern halte es für wichtig, dies durch soziales Engagement zu untermauern . Unter anderem fördert man die Henry-Maske-Stiftung „A Place for Kids“ und überreichte dem Ex-Boxer vor kurzem einen Spendenscheck in Höhe von 25 000 Euro. In einer „Perspektivfabrik“ der Maske-Stiftung können bedürftige Kinder und Jugendliche ihre Ferien verbringen und Kurse besuchen – darunter ein von Pfizer-Angestellten betreutes Bewerbungstraining. Weitere Mitarbeiter sind „Lesepaten“ an einer Grundschule und lesen dort gemeinsam mit den Kindern.

Hinzu kommt eine aktuelle Partnerschaft mit dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband: Auch dessen Verleihung des Deutschen Hörfilmpreises am 19. März in Berlin hat der Pharmariese gesponsert.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben