KONZERTBeirut : Musikalischer Interrail-Trip

Seit einigen Jahren ist Beirut ein Begriff, mit dem nicht nur Nahost-Interessierte sondern auch Indie-Rock-Hörer etwas anfangen können, denn 2006 erkor ein gewisser Zach Condon aus Albuquerque die Hauptstadt des Libanon als Namen für seine Ethno-Folk-Pop-Band aus. Das ist erst mal nichts Ungewöhnliches – die Kollegen von Chicago, den Dubliners und Boston machten es genauso, allerdings mit dem Unterschied, dass jene Bands auch aus diesen Städten stammten.

Vielleicht ist der Name einfach ein Symbol für das chronische Fernweh Condons, denn anstatt seine musikalische Bildung durchs Internet zu erwerben, ging der Teenager wie ein Komponist des 19. Jahrhunderts auf Reisen, nachdem er mit 16 Jahren – trotz guter Noten – die Highschool abgebrochen hatte. Nach Deutschland, Italien und Osteuropa verschlug es ihn, wo sich der Weltenbummler in die Musik des Balkans und der Zigeuner verliebte. Da es Condon gelang, diese Stile glaubhaft mit frischen Pop-Melodien zu verkuppeln, geriet Beiruts fast komplett von Condon selbst eingespieltes Debüt „Gulag Orkestar“ zu einer kleinen Sensation. Nachdem der Hype um Bright Eyes schon im Abklingen begriffen war, hatte die Indie-Folk-Gemeinde mit Beirut einen neuen und musikalisch vielschichtigeren Fixpunkt gefunden. Mit ihrem chansonesken Zweitling „The Flying Club Cup“ sprangen Beirut von russischer Polka weiter gen Westen nach Frankreich. Die EP „March Of The Zapotec“ von 2008 hingegen huldigte mit Mariachi-Gitarren und -Bläsern der mexikanischen Musik. Vielleicht ist beim nächsten Mal ja auch endlich der Libanon an der Reihe. Erik Wenk

Columbiahalle, Mi 19.9., 20 Uhr, 30 € (ausverkauft)

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar