KONZERT„Berlin Festival“ : Woher der Wind weht

Je nach Windrichtung könnte das ein anstrengendes Wochenende werden für die östlichen Anrainer des Tempelhofer Feldes. Denn für zwei Tage landet das „Berlin Festival“ auf dem Vorfeld des ehemaligen Flughafens. Zwar erlauben die Lärmschutzbestimmungen nur einen Konzertbetrieb bis 24 Uhr, aber bis dahin dürften in Britz die Fensterrahmen beben, etwa wenn My Bloody Valentine die Verstärker anwerfen: Die irischen Noiserock-Geheimniskrämer haben in diesem Frühjahr ein fulminantes Comeback hingelegt und gelten als die gegenwärtig lauteste Live-Band der Welt. Überhaupt gibt es beim Line Up ein paar echte Sensationen. Die größte ist vermutlich Blur. Hier waren zwischen dem abtrünnigen Gitarristen Graham Coxon und seinen alten Bandmates rund um Mastermind Damon Albarn alle Brücken abgebrochen. Umso überraschender kam die triumphale Konzertrückkehr im Olympischen Sommer 2012. Wer sich erinnert, wie toll sie vor zehn Jahren sogar ohne Coxon im Tempodrom waren, wird dem Auftritt der Britpop-Legende schlaflos entgegenfiebern.

Eine echte Wundertüte ist Björk (Foto), bei der man ja nie weiß, auf welchem Trip sie gerade unterwegs ist. Nur langweilig war sie noch nie. Ansonsten ist für jeden abseitigen Geschmack etwas dabei, von virtuosen Avantgardisten wie Tomahawk oder den Bosnian Rainbows mit dem nimmermüden Omar Rodriguez-Lopez über Indierock-Größen (Klaxons, Villagers, Savages) bis zu einheimischen Hitparadenstürmern wie Casper, Mia. und Fritz Kalkbrenner. Und wer nach Mitternacht noch Energie hat, lässt sich per Bus zur Arena shutteln, wo bis zum Morgengrauen getanzt wird.Jörg Wunder

Tempelhofer Freiheit – Flughafen Tempelhof,

Fr/Sa 6./7.9., 14-24 Uhr, 79 €, Tagesticket 59 €

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