KONZERTGeorges Prêtre dirigiert das DSO : Der Grandseigneur

Ulrich Amling

Es gibt Konzerte, die ragen weit heraus aus dem hauptstädtischen Musikbetrieb. Früher waren die seltenen Auftritte von Günter Wand beim Deutschen Symphonie-Orchester solche Inseln, dem Alltag mit Extraproben abgerungen, die weite Ausblicke vor allem in Bruckners Universum lieferten. Heute ist es ein anderer Altmeister, dessen einziger Auftritt pro Saison immer zugleich den Rang des Außerordentlichen besitzt.

Zum Glück leistet sich das DSO das Vergnügen, mit Georges Prêtre zusammenzuarbeiten – und schenkt es seinem Publikum wieder. Der inzwischen 84-jährige Dirigent, einst bevorzugter Pultpartner von Maria Callas, ist ein echter Grandseigneur. Seine Dirigiergesten – eine Einladung, sein Musikverständis – licht und organisch. Immer elegant, nie zu viel Details schlagen und zu viel preisgeben von dem wunderbaren Geheimnis, das in großer Musik steckt. Oft sieht man ihn einfach lächelnd in den Orchesterwogen stehen, den Sturm genießend, den er sehenden Auges und mit leichter Hand entfacht hat.

Prêtre ist ein Ereignis, und seine Fähigkeit, Musiker zu prachtvollem, dabei wunderbar stilsicherem Spiel zu animieren, schier grenzenlos. Bei seiner aktuellen Berlin-Visite dirigiert er ein Programm, bei dem das Deutsche Symphonie-Orchester zeigen kann, dass es zu glühen und leuchten versteht. Johannes Brahms’ herbstliche Symphonie Nr. 3 trifft auf Modest Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ in der funkelnden Instrumentierung Maurice Ravels. Sentiment und Struktur, Poesie und Prägnanz: Für Prêtre sind das keine Gegensätze, sondern die Musik des Lebens. Ulrich Amling

Philharmonie, Mo 27.10., 20 Uhr, 20-58 €

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