Zeitung Heute : Kooperation mit Qualität

Im Überlebenskampf schließen sich Bildungsträger in Berlin und Brandenburg zu einem Netzwerk zusammen

Regina-C. Henkel

Kooperation ist ewas Neues in der Weiterbildungsbranche, in der – vor allem in der mit Anbietern regelrecht übersäten Region Berlin/Brandenburg – traditionell eher beinharter Konkurrenzkampf herrscht.Um jeden von der Bundesagentur für Arbeit geförderten Kurs muss gerungen werden und jeder einzelne Weiterbildungswillige muss erst aufwändig umworben und dann mit handfesten Argumenten von der Qualität genau dieses Angebots überzeugt werden. Erfolgreich ist dabei längst nicht mehr jedes Institut. Seit Inkrafttreten der Hartz-Gesetze bleiben immer mehr Weiterbildungsinstitute auf der Strecke.

So haben sich jetzt mehr als drei Dutzend Bildungsträger in Berlin und Brandenburg zu einem „Netzwerk Modularisierung“ zusammengeschlossen. Darunter große Institute wie der Internationale Bund (IB), das ITW und der TÜV, aber auch Spezialisten wie IQ Consult, BAFU oder BBQ. Der Grund: Die „Gesetze für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt“ haben nicht nur den Bildungsgutschein eingeführt, mit dem sich der Arbeitslose sein Weiterbildungsinstitut selbst aussuchen kann. „Hartz“ bringt auch ein neues – von der Arbeitsagentur abgekoppeltes – Zulassungsverfahren für Weiterbildungsofferten. Und: Von den Anbietern wird verlangt, dass mindestens 70 Prozent ihrer Kursteilnehmer nach Abschluss des Trainings einen Job vorweisen können.

Das alles sind Anforderungen, denen die Mitglieder im „Netzwerk Modularisierung“ gemeinsam begegnen wollen. „Ziel dieses modellhaften Kooperationsprojektes“, erläutert Projektleiter Dieter Ramcke-Lämmert von der Berliner BBJ Consult AG, „ist die regionale Vernetzung von Bildungseinrichtungen und die Einführung einheitlicher Standards in der beruflichen Weiterbildung.“ Die Kooperation erleichtere es den beteiligten Instituten, „professionell auf die neuen Bedingungen zu reagieren“. Wichtigstes Handwerkszeug dabei ist das Regelwerk „Qualitätsstandards nach QPass-System“, das jetzt auch als Kompendium vorliegt. Es ist sozusagen das Herzstück des Kooperationsprojektes, für das BBJ Consult die Projektträgerschaft übernommen hat und das von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen, der Bundesagentur für Arbeit und dem EuropäischenSozialfonds (ESF) gefördert wird.

Schon aus diesem Grund steht das Netzwerk „grundsätzlich allen interessierten Bildungseinrichtungen“ offen, wie Projektleiter Ramcke-Lämmert betont. Tatsächlich hält er die Kooperation sogar für „überlebenswichtig“, denn: „Die Verlagerung auf betriebsnahe, passgenau und individuell gestaltbare Bildungsangebote in Modulform, die anerkannte Qualitätsstandards erfüllen, kann nur in Kooperation mit anderen gelingen. Theoretisch müsste nämlich jedes Institut jedes Modul zu jeder Zeit anbieten. Das ist weder organisatorisch noch finanziell leistbar. Wer sich also mit anderen Anbietern abspricht, kann flexibel auf die neuen Anforderungen reagieren.“ Im Umkehrschluss werde es für Anbieter, die sich weiterhin wie in der Vor-Hartz-Ära als Einzelkämpfer am Markt zu behaupten versuchten, „sehr, sehr schwierig“.

Die Lektüre des Kompendiums „Qualitätsstandards nach QPass-System“ könnte sich also lohnen – übrigens auch für Besitzer eines Bildungsgutscheins. Wer – aus welchen Gründen auch immer – bisher noch keinen anerkannten Bildungsabschluss hat, kann ihn jetzt nachholen, ohne von ganz vorne anfangen zu müssen. Der mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) abgestimmte und von den Berliner Kammern anerkannte „QPass" ermöglicht es, informell erworbenen Kompetenzen anerkennen lassen. Der Kandidat braucht nur für die noch fehlenden Fachmodule zu büffeln, sich darin prüfen und dann zertifizieren zu lassen (siehe Grafik und Infokasten).

Das QPass-Kompendium ist erhältlich unter 030 / 55 05 13 26.

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