Zeitung Heute : Kooperation statt Konkurrenz Berliner Mathematiker gründen gemeinsames Forschungszentrum

NAME

In Berlin gibt es seit diesem Sommer ein weltweit einzigartiges Forschungszentrum, das die Mathematik in Wissenschaft und Technik voranbringen will. Die drei großen Berliner Universitäten, das Konrad-Zuse-Zentrum für Informationstechnik in Dahlem und das Weierstraß-Institut für angewandte Analysis und Stochastik in Berlin-Mitte gründeten gemeinsam das Forschungszentrum „Mathematik in Schlüsseltechnologien“. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) bewilligte dafür rund 20 Millionen Euro, verteilt auf zunächst vier Jahre. Die beteiligten Hochschulen und Institute brachten drei Millionen Euro aus eigener Kraft auf.

Die Berliner Mathematiker wollen sich konkrete Probleme vornehmen, um sie mit Hilfe neuer mathematischer Methoden zu lösen. Durch neue mathematische Verfahren und Computersimulationen wollen sie zu intelligenten Lösungen im Verkehrswesen, in der Kommunikationstechnik, in der Elektronik und in betrieblichen Prozessen gelangen. Die FU, die vom Etat der DFG rund ein Fünftel erhält, konzentriert sich auf die so genannten Life Sciences, also auf Mathematik in den Fächern Medizin, Biotechnologie und Biologie.

Rechnen mit Millionen Unbekannten

„Wir haben eine neue Theorie und neue Algorithmen entwickelt, um Medikamente gegen Viruserkrankungen am Computer zu entwickeln“, erläutert der Mathematiker Peter Deuflhard. Er ist der Präsident des Konrad-Zuse-Zentrums und zugleich Professor für wissenschaftliches Rechnen an der FU. „Das Problem dabei war, dass Biomoleküle innerhalb unvorstellbar kurzer Zeit ihre Form ändern können. Ein chemischer Wirkstoff hat aber nur wenige Formen, in denen er seine Aufgabe erledigen kann.“ Derzeit sind die Wissenschaftler dabei, für den Entwurf neuer Wirkstoffe die Rechenalgorithmen und die Software zu schreiben.

In einem weiteren Projekt kooperieren die Dahlemer Forscher mit Kollegen von der Humboldt-Universität und dem Klinikum Benjamin Franklin in Steglitz. „Dort machen wir die Mathematik zur Belastungsprognose von Prothesen. Das sind irrsinnig komplizierte Berechnungen“, gibt Peter Deuflhard Auskunft. „Aus diesen Vorhersagen leiten wir dann konkrete Planungen für medizinische Operationen, beispielsweise in der Unfallmedizin, ab.“ Auch in der Krebstherapie helfen die Mathematiker, moderne Therapien zu entwickeln. Um zum Beispiel eine optimale Hyperthermiebehandlung zu planen, muss ein Computer innerhalb von Sekunden mathematische Gleichungen mit einigen Hunderttausend bis Millionen unbekannten Größen lösen. Heiko Schwarzburger

Nähere Informationen im Internet: www.zib.de/deuflhard

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben