Zeitung Heute : "Kopfleuchten" im ZDF

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"Ich würde gerne mal in einen Supermarkt gehen und einkaufen ohne aufzufallen." Was für den "normalen" Menschen nicht gerade besonders aufregend ist, ist für Christian unmöglich. Er leidet unter dem Tourette-Syndrom, von Laien oft auch als "Schluckauf des Gehirns" bezeichnet: Seinen Körper hat er nicht unter Kontrolle, er zuckt und schreit, schlägt um sich, zieht Grimassen. Und die Umwelt weicht entsetzt zur Seite. "Eigentlich kommt die Ruhe zu mir," erzählt Christian, "wenn sie will und nicht wenn ich will. Das ist eigentlich ziemlich schrecklich." Christian hat gelernt, mit seinem "Tick" zu leben.

Mischka Popp und Thomas Bergmann haben für ihre Dokumentation "Kopfleuchten", die heute um 22 Uhr 25 zum fünfjährigen Jubiläum der ZDF-Reihe "37 Grad" ausgestrahlt wird, Menschen mit Gehirnverletzungen und Krankheiten im Kopf besucht. Herausgekommen ist ein poetischer Film, der in Bildern und Worten Geschichten erzählt, die man sonst nur mit Grausen hört: Vom Mann, dessen Gedächtnis durch einen Herzstillstand in Stücke brach. Von einem Mädchen, das bei einer Tumoroperation die Erinnerung verlor. Von der Frau, die verzweifelt nach vergessenen Worten sucht. Von einem Mann, der im Weltraum lebt, aber sein Ich nicht mehr fühlt. Grenzgänger sind sie alle, ob sie mit ihren Verletzungen nach einer Krankheit, einem Unfall oder von Geburt an leben. Den Autoren ist ein Film gelungen, der schon nach wenigen Minuten nicht mehr loslässt: Keine Sammlung von Abstrusitäten, sondern eine unglaubliche Reise in den Kopf von Menschen, die am Rande eines Abgrundes balancieren.

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