Zeitung Heute : Krach

Lars Törne

Wie ein West-Berliner die Stadt erleben kann

Meine letzte Begegnung mit der Gruppe Laibach liegt 17 Jahre zurück und führte damals zu einer Verstimmung mit meinem Englischlehrer. Bei einem Hamburg-Besuch mit Schulfreunden sahen wir einen Auftritt der slowenischen Pop-Provokateure, die auf der Bühne die Trommeln zu einer damals als Skandal gefeierten Macbeth-Inszenierung schlugen. Wir waren Teenager, leicht zu beeindrucken und natürlich schwer begeistert von den martialisch kostümierten Musikern, die wie eine Mischung aus Reichsparteitagstrommlern und Mittelalterkriegern daherkamen.

Den Besuch hatte uns besagter Englischlehrer ans Herz gelegt, weil das Stück im Original gegeben wurde und er sich erhoffte, wir würden hinterher mit mehr Begeisterung seinen Unterricht verfolgen. Er hatte sich geirrt. Die Helden des Abends waren für uns nicht Macbeth und seine machthungrige Frau, sondern die schräge Laibach-Truppe und ihr ambivalentes Spiel mit verbotenen Symbolen.

Das hatte nichts mit jugendlicher Faschismusbegeisterung zu tun, mit der Freude an Provokation aber sehr viel. Also marschierten wir in den Tagen nach dem Theaterbesuch gerne mal im Stechschritt durchs Klassenzimmer, trommelten Märsche auf den Tischen oder verzierten unsere Schultafel mit den gekreuzten Äxten, die damals das Symbol von Laibach waren. Anfangs ärgerte das unseren Lehrer, aber dann ignorierte er die Albernheiten einfach, und so hörten wir kurze Zeit später damit auf.

Heute spielen Laibach mal wieder in Berlin, mit dabei haben sie eine neue Best-of-CD namens „Anthems“. Der Beat ist immer noch so monoton wie einst bei Macbeth, der Gesang und das Drumherum martialisch wie gehabt – aber beeindrucken kann mich das heute nicht mehr. Doch zum Abspülen höre ich die Lieder noch gerne: Mit dem aggressiven Rhythmus im Ohr schaffe ich das Geschirr doppelt so schnell wie mit sanften Tönen.

Laibach spielen heute um 21 Uhr im Columbia Club, Columbiadamm 9-11 (Tempelhof), Karten kosten 18 Euro. Wer auf melodiösere Töne steht, sollte lieber bis nächsten Dienstag (7.12.) warten. Da spielt der begnadete norwegische Singer-Songwriter Thomas Dybdahl um 21 Uhr im Tacheles (Oranienburger Straße 53-56), Karten kosten 12,50 Euro.

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