Zeitung Heute : Kräfte bündeln

Die Kulturinstitute beider Länder kooperieren

Bojan Krstulovic
Das Polnische Institut in der Burgstraße 17 in Berlin-Mitte. Foto: promo
Das Polnische Institut in der Burgstraße 17 in Berlin-Mitte. Foto: promo

Wenn kulturelle Institutionen kooperieren, bedeutet das oft nicht mehr, als dass ein zweiter Redner die Gäste begrüßen darf, deren gedruckte Einladung statt einem gleich zwei Logos zieren durften. Auf ganz andere Weise zusammengefunden haben zuletzt das Goethe-Institut und sein Pendant aus Polen, das Polnische Institut, die beide mit dem Auftrag versehen sind, im Ausland für Sprache und Kultur ihres Landes zu werben.

Beim Kunstprojekt „The Promised City“, das im letzten Jahr in beiden Hauptstädten, aber auch im indischen Mumbai stattfand, haben sich vor allem die Mitarbeiter der jeweiligen Häuser in Berlin und Warschau zwei Jahre lang gemeinsam die Köpfe zerbrochen über die Details der 14 Einzelprojekte, die Sehnsüchte und Illusionen des modernen Stadtlebens thematisierten. Zusammen hatten sie recherchiert sowie Workshops mit den vielen Künstlern veranstaltet und Sponsoren gesucht.

Renata Prokurat, Kulturbeauftragte des Warschauer Goethe-Instituts, erinnert sich an diese bewegte Zeit, in der die Ansichten der beiden Teams nicht immer übereinstimmten, etwa bei der finanziellen Abwicklung der Projekte. „Andere Länder, andere Sitten“, sagt sie. Aber diese kleinen Unebenheiten gehörten nun mal zu so einem ambitionierten Unternehmen dazu. „Im Nachhinein können wir sagen, dass die Kompetenz und die Kontakte des Polnischen Instituts das hohe ästhetische Niveau der Inhalte gesichert haben.“ Beide Institutionen hätten einen immensen Imagegewinn im jeweiligen Gastland erzielt, etwa durch die Einbindung der Berliner Kunst-Werke oder des Nowy Teatr aus Warschau.

Für Tomasz Dabrowsky, den Direktor des Polnischen Instituts in Berlin, ist die Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut in Deutschland eigentlich schon zur Normalität geworden. Im letzten Jahr hat man auch bei einem Forum über europäische Nachbarschaft am Flughafen Tempelhof kooperiert. „The Promised City“ war aber auch für ihn etwas Neues: „Das war schon eine Arbeit, die uns sehr eng zusammenführte, und das war früher nie so richtig der Fall.“ Es sei inhaltlich ein völlig neues Format gewesen und habe auch zum Entstehen neuer Netzwerke geführt. „Da unsere Aufträge so ähnlich sind, ist es sinnvoll, die Kräfte zu bündeln, um neue Kontakte zu knüpfen und neue Formate auszuprobieren.“ Dass der polnische Künstler Artur Zmijewski im nächsten Jahr Kurator der Berliner Biennale sein wird, könne als ein Nachwirken dieser neuen Kontakte gesehen werden.

In diesem Jahr gehen beide Institute wieder eigene Wege. In Warschau ist das Goethe-Institut zurzeit mit der Eröffnung der Kultursaison NRW-Polen vollauf beschäftigt und widmet der Tänzerin Pina Bausch eine mehrtägige Konferenz. In Berlin will sich Tomasz Dabrowsky mit seinem Institut vor allem auf die polnische EU-Ratspräsidentschaft konzentrieren. Unter dem Namen „Blickwechsel“ wird zusammen mit der Akademie der Künste in zahlreichen Kunstformen der künstlerische Dialog mit Polen geführt. „Aber im nächsten Jahr kann ich mir etwa bei der Fußball-Europameisterschaft in Polen gut vorstellen, dass das mit dem Goethe-Institut ein Thema sein könnte.“ Bojan Krstulovic

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