Zeitung Heute : Kraft ihrer Person

Was die Außenminister in New York erwartet

Matthias B. Krause[New York]

Von Matthias B. Krause,

New York

Er hoffe, sie so bald nicht wiederzusehen, hatte Joschka Fischer vor gut einer Woche den deutschen Journalisten zugerufen, die seinen Auftritt vor dem Weltsicherheitsrat begleiteten. Sein scherzhafter Wunsch bleibt unerfüllt. Heute wird Fischer das Gremium in New York zum zweiten Mal persönlich leiten, wenn die UN-Chefinspekteure Hans Blix und Mohammed al Baradei ihren neuesten Irak-Bericht abliefern. Neben dem Deutschen reisen auch dessen französischer Amtskollege Dominique de Villepin und Russlands Außenminister Igor Iwanow an. Damit ist jene Troika komplett, die dem amerikanischen Ansinnen, die Entwaffnung des Iraks mit Gewalt durchzusetzen, bislang vehement entgegensteht.

Alle drei kämen eigens, „um ihre Position noch einmal zu bekräftigen“, heißt es aus der deutschen UN-Mission. Vielleicht ist das richtige Wort zur richtigen Zeit das wichtigste Werkzeug der Diplomatie, doch manchmal kann auch die rein physische Präsenz nicht schaden. Kaum dass die Reisepläne bekannt waren, verlautete schon aus Washington, US-Außenminister Colin Powell werde sich ebenfalls auf den Weg zur UN-Zentrale machen. Powell hatte das heutige Treffen schon im Vorfeld als einen „Moment der Wahrheit“ bezeichnet, der sich schnell nähere. Er wolle Frankreich und Deutschland fragen, ob sie einen Krieg nur verzögerten, „um Saddam Hussein vom Haken zu lassen“.

Kriegsgegner rüsten sich

Ob die Amerikaner unmittelbar nach dem Bericht ihre mit den Briten abgestimmte Resolution vorlegen, blieb offen. Aber die Opposition wollte auf jeden Fall gerüstet sein. Sieben Stimmen brauchen die Kriegsgegner für eine Sperrminorität in dem 15-köpfigen Rat. China gilt als weiterer sicherer Kandidat in der Riege jener, die mehr Zeit für die Inspekteure, ihre personelle Aufstockung und eine bessere technische Ausstattung fordern. Außerdem sieht der von den Franzosen entworfene Plan eine intensive Überwachung des Irak mit Aufklärungsflugzeugen und nachrichtendienstlichen Mitteln vor.

Theoretisch reichen den USA neun Stimmen, wenn keins der fünf ständigen Mitglieder Veto einlegt. Moskau hat jedoch deutlich gemacht, dass es dieses Mittel notfalls nutzen werde.

Während im Deutschen Haus gegenüber der UN-Zentrale der diplomatische Stab bis tief in die Nacht arbeitete, um den Überraschungsbesuch des Chefs vorzubereiten, sprach 19 Blocks weiter einer der engsten Mitarbeiter Powells Tacheles. „Wir haben grundsätzlich zwei Möglichkeiten“, sagte er im Klub für Außenpolitik, „entweder die Resolutionen bedeuten etwas und wir setzen sie auch mit Gewalt durch, oder wir packen unsere Murmeln ein und gehen nach Hause.“ Dabei denke er schon weit über den Sicherheitsrat hinaus: Wie die irakische Bevölkerung die US-Soldaten empfangen werde und wie viel der Infrastruktur nach einem Militärschlag noch brauchbar sein wird, sind seine größten Bedenken. Und während er über die irakische Ordnung nach Saddam spricht, hat es den Anschein, als würde er sich von der physischen Präsenz ganz gleich welchen Außenministers nicht beeindrucken lassen.

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