KRAFTFAHRERFILM„Speed Racer“ : Rivalen der Rennbahn

Sebastian Handke

Fünf Jahre haben sich die Wachowski-Brüder Zeit gelassen nach dem entäuschenden Schlusskapitel ihrer Matrix-Trilogie. Ihr neues Werk ist eine Überraschung: „Speed Racer“ beruht auf einer japanischen Trickserie, die das US-Fernsehen in den Siebzigern als „Speed Racer“ ausstrahlte. Im Mittelpunkt steht das Familien-Rennunternehmen „Racer“ mit den Eltern Pops (John Goodman) und Mom (Susan Sarandon), den Söhnen Speed, Rex und Chitle sowie dem Schimpansen Chim-Chim. Speed (Emile Hirsch) ist ein Virtuose der Piste. Royalton Industries, ein Riesenkonzern in der Stadt Cosmospolis, versucht ihn daher als Fahrer abzuwerben. Doch Speed schlägt das lukrative Angebot aus – und bringt damit den Konzern-Chef gegen sich auf. Die Rennen, so stellt sich heraus, sind alle manipuliert. Mit vereinten Kräften und unerwarteten Verbündeten stemmt sich Familie Speed gegen eine Verschwörung, die für ihren kleinen Rennstall das Ende bedeuten könnte.

Ein ungewöhnlicher Stoff für die Schöpfer des dunklen „Matrix“-Universums. Doch die Wachowskis sind sich treu geblieben in ihrem Anspruch, die Grenzen des Effekt-Kinos zu erweitern. „Speed Racer“ ist ein ausgelassener Familienfilm, der mit einer völlig neuartigen, rauschhaft stilisierten Optik die Bildwelten von Comic und Computerspiel zusammen bringt. Quietschbunte PS-Boliden wirbeln durch spektakuläre Rennsequenzen wie in einer Kampfkunst-Choreografie. Die Regeln der Physik sind in außer Kraft gesetzt, die Perspektiven dehnen, stauchen und krümmen sich, überall strahlt und blinkt es. Die Kamera fliegt durch eine surreale Szenerie, die eingetaucht ist in eine psychedelisch bunte Farbpalette.

In Familienfilmen ist es üblich geworden, jede Alters- und Zielgruppe mit je eigenem Humor anzusprechen. Dieser waghalsige und zugleich altmodische Film dagegen verzichtet ganz auf Ironie, Insider-Witze und Pop-Zitate: „Speed Racer“ ist naiv, kitschig, aufdringlich und laut, manchmal kindisch weit jenseits der Schmerzgrenze. Die Handlung ist dünn, die Dialoge schlicht – was hier zählt sind allein Spaß und Rausch. Wer noch nie einen Konsolenknüppel in der Hand hatte, wird sich an das Farbenfeuerwerk und die rasenden Bilder erst gewöhnen müssen. Dann aber kann dieser durchaus warmherzige Film richtig Spaß machen. Rasant und knallbunt. Sebastian Handke



„Speed Racer“, USA 2008, 129 Min., R: Andy und Larry Wachowski, D: Emile Hirsch, Christina Ricci, John Goodman, Susan Sarandon, Benno Fürmann

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