Zeitung Heute : Kranke und gekrönte Häupter

268 heiße Heilquellen sprudeln in der Slowakischen Republik. "Ein Schatz, wie ihn nur wenige andere Länder haben", sagt Jan Bockaj, Direktor der Slowakischen Agentur für Tourismus. Und immer mehr Deutsche entdecken, dass man in dem kleinen Land im Herzen Europas nach Herzenslust und zu günstigen Preisen "kuren" kann. Etwa 150 000 deutsche Touristen zählte der slowakische Fremdenverkehr 1999, der größte Teil davon besuchte die Kurorte und Heilbäder.

Zum Beispiel Piestany. Das bedeutendste slowakische Heilbad liegt etwa 80 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bratislava im Tal des Flusses Vah. Besonders die Badekur für Rheumatiker hat in Piestany eine uralte Tradition. Seit der ersten urkundlichen Erwähnung der mineralhaltigen Thermalquelle im Jahr 1113 pilgerten Kranke aus ganz Europa hierher, darunter viele gekrönte Häupter, Angehörige des Hochadels, sogar indische Maharadschas, prominente Politiker und Künstler. Henny Porten - die große alte Dame des deutschen Films - kam fünf Mal nach Piestany, Beethoven komponierte dort seine Mondschein-Sonate.

Mit der Zeit hat der Kurbetrieb in Piestany seinen mondänen Charakter verloren und sich zu einer modernen Therapiestätte gewandelt. "Die heutigen Kurgäste und Patienten suchen und finden vor allem seriöse Behandlung und Genesung in einer schönen stillen Landschaft", weiß Marketing-Direktor Jaromir Pavlk. Nach wie vor entfalle der größte Teil der Behandlungen mit dem 69 Grad warmen Thermalwasser und dem schwefelhaltigen Heilschlamm auf Rheumaleiden. "Allerdings haben wir uns auch auf den neuen Trend Wellness und Beauty eingestellt", sagt Pavlk. Im Rahmen ein- oder zweiwöchiger Programme biete Piestany jetzt auch Wassertherapie, klassische Massagen, Sauna, Yoga und Antistress-Therapie.

In Dudince - nur rund 90 Kilometer von der ungarischen Hauptstadt Budapest entfernt gelegen - sollen schon römische Legionäre im heißen Wasser gebadet haben. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden hier die ersten Schwimmbecken für professionelle Behandlungen. Das Wasser verkaufte man damals auch in Flaschen abgefüllt und ins Ausland. Seit 1990 wurde das Badeareal ausgebaut und modernisiert. Die Thermal-Mineral-Quelle von Dudince kommt besonders Patienten mit Erkrankungen des Bewegungsapparates, nach orthopädischen Operationen, mit Herzbeschwerden und hohem Blutdruck zugute. Ähnliche Therapien bieten andere Kurorte, zum Beispiel Smrdaky, Bardejov, Sliac, Trencianske Teplice, Novy Smokovec und Strbske Pleso - letztere beide in der Hohen Tatra gelegen.

Noch sind es besonders die Deutschen aus den östlichen Bundesländern, die gern in die ihnen seit Jahrzehnten bekannten slowakischen Heilbäder fahren. Zum wichtigsten Partner des slowakischen Tourismus hat sich in den vergangenen Jahren der Berliner Kurreisen-Spezialist EuroMed entwickelt. Seit 1990 bietet der Veranstalter Kurreisen für Selbstzahler vor allem nach Ungarn, Tschechien und in die Slowakei. Der slowakische Tourismusdirektor Bockaj ist überzeugt vom guten Preis-Leistungsverhältnis. Selbst in der Hauptsaison zahle man in den Heilbädern nicht mehr als durchschnittlich 95 Mark pro Tag - inklusive Behandlungen. Auch wer einfach nur Urlaub mache, könne einzelne Anwendungen zu günstigen Preisen an Ort und Stelle buchen.

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