Zeitung Heute : Krankenkassen drohen höhere Beiträge an

Berlin - Die Krankenkassen drängen zur Finanzierung der geplanten Impfung gegen die Schweinegrippe auf höhere Beiträge. Wenn der Bund keine Steuermittel lockermache, wäre eine Beitragsanhebung zum Oktober die Alternative, teilte der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung mit. Die Impfkosten für chronisch Kranke, Schwangere und das Personal im öffentlichen Gesundheitsdienst lägen bei bis zu einer Milliarde Euro. Das sei nicht vorhersehbar gewesen und bei der Ermittlung des derzeitigen Beitragssatzes „nicht eingepreist“ worden.

Das Gesundheitsministerium nannte die Forderung „völlig unangemessen“. Es handle sich um eine Pflichtaufgabe der Kassen, ihnen stehe dafür genug Geld zur Verfügung, sagte Staatssekretär Klaus Theo Schröder. Zudem liege die Impfung in ihrem eigenen Interesse. Die Behandlungskosten eines Grippefalls überstiegen die Impfkosten um 50 Prozent.

Der Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach (SPD) bezeichnete das Begehren als „ungerechtfertigt und unklug“. Die Zusatzkosten für die Impfung lägen nicht, wie von den Kassen angegeben, bei einer Milliarde Euro, sondern „allenfalls halb so hoch“. Schließlich könne man nur mit der Differenz zur normalen Grippeimpfung argumentieren. Die Impfung sei aus dem bestehenden Beitragssatz „bedienbar“, sagte Lauterbach dem Tagesspiegel. Er warnte davor, die Schweinegrippe zu instrumentalisieren. „Nachdem die Kassen per Gesundheitsfonds das viel höhere Risiko der steigenden Arbeitslosigkeit bereits abgesichert bekommen, wären sie gut beraten, die Kirche im Dorf zu lassen.“

Experten rechnen damit, dass sich das Virus im Herbst massiv ausbreitet. Es werde mehr schwere Krankheitsfälle und in der Folge auch Todesopfer geben, sagte der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Johannes Löwer. Für schwangere Frauen, bei denen die Erkrankung häufiger tödlich verläuft, wird zwar ein Impfstoff zur Verfügung stehen – nach Informationen des Tagesspiegels aber nicht der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als besonders sicher empfohlene. „In Deutschland wird es nur die Impfstoffe neuen Typs geben“, teilte das Paul- Ehrlich-Institut mit. Die WHO hatte empfohlen, Schwangere mit einem Impfstoff nach altem Muster zu behandeln, weil es für die neuen nicht genügend Informationen zu Nebenwirkungen gebe. raw/kkp

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