Zeitung Heute : Krankmacher

Andreas Lohse

"Schimmelpilze in Fußböden, Wänden und Decken sind die häufigsten Ursachen für Allergien, Atemwegserkrankungen, Infektanfälligkeit, Ermüdungserscheinungen oder Nebenhöhlenprobleme", berichtete im Sommer die Zeitschrift Öko-Test. Man berief sich dabei auf eine Firma, die mehr als 10 000 Messungen in Deutschland durchgeführt hatte. Ein Drittel aller Wohnungen ist so stark mit Schimmelpilzen und anderen Wohngiften belastet, dass sie eigentlich nicht mehr bewohnbar seien, hieß es weiter.

Auch die Berliner Stiftung Warentest untersucht regelmäßig Proben auf den Befall mit Schimmelpilzsporen. Einem Aufruf im Frühjahr vergangenen Jahres folgten bis heute immerhin rund 5000 Haushalte, die ihre Raumluft prüfen ließen, so die Mitarbeiterin der Stiftung, Britta Barlage. Die Einsender von stark belasteten Proben gaben an, dass in ihren Familien Krankheiten auftreten, die sie mit Schimmelpilzen in Verbindung bringen.

Einem Befall mit Schimmelpilzen kann man vorbeugen. Zwar verzichtet man gerade jetzt lieber darauf, die Fenster zum Lüften sperrangelweit aufzureißen. Denn Heizenergie ist zu teuer, um sie sinnlos zu verpulvern. Doch wer an der falschen Stelle spart, kann Probleme bekommen: Die Mikroorganismen vermehren sich durch Sporen. Eine Ansammlung dieser Organismen in der Wohnung nimmt man als dunkle Flecken wahr, beispielsweise an den Wänden. Die warme Feuchtigkeit vom Kochen und Duschen, von Aquarien und Zimmerpflanzen kondensiert an kalten Flächen und bildet selbst auf Tapeten einen feuchten Film - die Brutstätte für Schimmelpilze. Um Schimmel keine Chance zu geben, hilft nur richtiges Wohn-Verhalten:

Bad und Küche. Türen zu den anderen Räumen sollten während des Duschens und Kochens geschlossen und die Fenster geöffnet werden, damit der Dunst nach draußen ziehen kann.

Schlafzimmer. Im Winter sollte die Heizung zumindest tagsüber nicht völlig abgedreht und die Tür geschlossen werden.

Möbel. Möbel sollten nur so dicht an die Wand gestellt werden, dass dahinter noch Luft zirkulieren kann. Experten empfehlen einen Abstand von etwa fünf Zentimetern. Auch Vorhänge müssen hinterlüftet sein.

Fenster. Stoßlüftung ist besser als Kipplüftung. Ratsam ist, mindestens vier Mal pro Tag die Fenster fünf Minuten lang offen stehen zu lassen, am besten mit Durchzug quer durch die Wohnung.

Temperatur. Auch jene Räume, die selten genutzt werden, sollten kontinuierlich geheizt werden - die Temperatur kann aber niedriger sein als im Wohnzimmer. Gerade Feuchträume sollten aber niemals die kältesten der Wohnung sein.

Mitunter hat Schimmelbildung seine Ursache auch in baulichen Mängeln: unzureichende Wärmedämmung, undichtes Dach und selbst Isolierglasfenster können zu einer Konzentration von Feuchtigkeit in Wohnräumen und Kondensation des Wassers führen. In jedem Fall gilt: Informieren Sie bei Schimmelbildung sofort Ihren Vermieter, damit er geeignete Maßnahmen in die Wege leiten kann, die Gesundheitsgefahr zu beseitigen. Viele Vermieter neigen jedoch dazu, bei Schimmel dem Mieter falsches Heiz- und Lüftungsverhalten zu unterstellen, um sich die Kosten für die Beseitigung ersetzen zu lassen.

Die Rechtsprechung hierzu ist vielfältig. Kommt es beispielsweise nach dem Einbau neuer Fenster zur Schimmelbildung, weil der Mieter sein Heiz- und Lüftungsverhalten nicht anpasst, ist "der Mangel voll dem Verantwortungsbereich des Vermieters zuzuordnen, wenn er den Mieter nicht sachgerecht und präzise auf die Anforderungen im veränderten Raumklima hingewiesen hat", entschied das Landgericht Gießen (Az. 1 S 63 / 00). Das Amtsgericht Neukölln geht bei großflächigem Schimmelbefall "grundsätzlich von einer Gesundheitsgefährdung aus", die den Mieter zur fristlosen Kündigung berechtige (Az. 6 C 586 / 99).

Grundsätzlich sind Schimmel und Feuchtigkeit in der Wohnung wegen der damit einhergehenden Gesundheitsgefahren ein "erheblicher Mangel", erkannte in einem Fall das Landgericht Lüneburg. Der Mieter hat dann das Recht zur Mietminderung. Das entfalle aber dann, wenn er die Bildung von Feuchtigkeit zu verantworten habe, etwa weil er unzureichend lüfte oder heize. Er muss also durchaus das Seine tun, um Schimmel zu verhindern - zumindest, so weit ihm dies zuzumuten ist. Dazu gehört auch das regelmäßige Abwischen nasser Fenster. Aber: "Der Mieter ist nicht verpflichtet, selbst bauliche Maßnahmen vorzunehmen oder zusätzliche Heizquellen aufzustellen, wenn eine Schimmelbildung auf Grund der Bausubstanz nicht anders verhindert werden kann." Auch könne ihm "nicht abverlangt werden, ständig alle Räume der Wohnung mit mehr als 20 Grad zu beheizen, nur damit es nicht zur Bildung von Feuchtigkeit kommt" (Az. 6 S 70 / 00).

Wer oder was für Schimmel verantwortlich ist, kann oft nur im Einzelfall festgestellt werden. Ist strittig, entschied der Bundesgerichtshof, ob "Baumängel oder falsches Mieterverhalten Ursache für die Feuchtigkeitsschäden sind, muss der Vermieter beweisen, dass die Ursache nicht in seinen Pflichtbereichen liegt, sondern aus dem Mieterbereich kommt" (Az. XII ZR 272 / 97).

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