Zeitung Heute : Kreativ und sicher online gehen

Die Internauten helfen Kindern, Eltern und Lehrern, sicher den Cyberspace zu erobern

Kai Kolwitz

Die Internauten, das sind Rio, Nina und Ben. Ihre Zentrale liegt irgendwo versteckt in einer alten Bibliothek und von hier aus kämpfen die drei gegen alles, was Kindern im Netz gefährlich werden kann. Gegen Trojaner, Dialer und Handy-Abzocker richten sich ihre Missionen zum Beispiel. Ihre Abenteuer sind kindgerecht aufbereitet und lassen sich als Comics, Flash-Filme oder in Form von kleinen Ratespielen erleben – unter www.internauten.de .

„Wir wollen Medienkompetenz erzeugen und Kindern beibringen, kritisch mit dem Netz umzugehen“, erläutert Sandra Ostermann die Intention der Internauten. Sie ist Medienreferentin des Deutschen Kinderhilfswerks, das gemeinsam mit der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia für die Inhalte der Website verantwortlich zeichnet. Außerdem mit dabei sind die Microsoft-Tochter MSN und die Initiative „Sicher im Netz“, die die Seite initiiert hat.

„Im Internet findet man schnell neue Freunde. Per E-Mail, Chat, Messenger und Webcam bleibt man in Kontakt. Nur weiß man eigentlich nie genau, mit wem man es wirklich zu tun hat…“ beginnt etwa die Internauten-Episode „Mission Chat“. In der entflammt der 12-jährige Tony im Chat in Liebe zu der gleichaltrigen Paula. Allerdings kennt er die nur von einem Foto, das sie ihm gesendet hat. Trotzdem wirft er die Webcam an und gibt bereitwillig Namen und Adresse preis. Kurz bevor sich die beiden zu einem Date verabreden können, bekommen allerdings zum Glück die Internauten Wind von der Sache. Deren Scan ergibt: „Paula12“ ist in Wirklichkeit eher „Dieter35“ – ein Foto des unrasierten Unholds öffnet Tony schnell die Augen. Moral der Geschichte: „Auch wenn man verknallt ist, sollte man das Hirn einschalten.“

Auch für Eltern und Lehrer finden sich Tipps bei den Internauten – die Kinder werden dazu noch durch Gewinnspiele und die Möglichkeit, eigene Geschichten zu schreiben, eingebunden. „Gerade für Jüngere sind spezielle Kinder-Websites eine gute Wahl für die ersten Schritte im Internet“, so Kinderhilfswerkerin Ostermann, deren Organisation mit kindersache.de noch ein zweites Angebot betreibt. Außerdem hat man einen Internet-Guide herausgebracht, der Kindern bei den ersten Schritten im Netz helfen soll und der sich kostenlos unter www.dkhw.de bestellen lässt.

Angetreten, um kindgerechte Angebote im Netz zu bündeln, ist auch seitenstark.de. Schon seit 1997 besteht die Arbeitsgemeinschaft vernetzter Kinderseiten, die vor allem die Sieben- bis Zwölfjährigen im Fokus hat. Rund 30 Angebote umfasst das Portal inzwischen, darunter die Kinder-Suchmaschine blinde-kuh.de, die Nachrichtenseite sowieso.de und die virtuelle Stadt kidsville.de, in der Kinder sich künstlerisch betätigen, chatten oder sich ihr Traum-Kinderzimmer ausdenken können.

Wer mitmachen darf bei seitenstark.de, das entscheidet ein Auswahlteam, das die Inhalte der Kandidaten auf Kriterien wie Jugendschutz, Trennung von Inhalt und Werbung, regelmäßige Aktualisierung und natürlich attraktive Inhalte überprüft. „Wir haben uns vernetzt, um größere Projekte gemeinsam auf die Beine stellen zu können“, erklärt Christian Großekathöfer vom Kidsville- Redaktionsbüro das Konzept – etwa eine Seite zur Fußball-WM, die bei der Zielgruppe großen Anklang fand.

„Es haben sich sehr viele Kinder beteiligt", erinnert sich Großekathöfer, „das ist zwar sehr schön, aber es macht auch einen Haufen Arbeit.“ Denn auch eine Rolle spielte bei der Gründung von seitenstark.de, dass sich mit seriös gemachten Angeboten für Kinder in der Regel kaum Geld verdienen lässt – zumindest dann nicht, wenn nicht ein Verlag oder Sender im Hintergrund steht, der das Angebot als Ergänzung seines klassischen Programms versteht. kidsville.de zum Beispiel, das Projekt, an dem Großekathöfer mitarbeitet, hat etwa im Jahr 2001 bereits einen Grimme Online Award gewonnen, trotzdem läuft die Arbeit weiterhin ehrenamtlich.

Besser hat es da blinde-kuh.de getroffen: Die Suchmaschine wird seit 2002 vom Bundesfamilienministerium gefördert. Ein Redaktionsteam begutachtet hier Websites und nimmt sie, wenn für Kinder zwischen sechs und 14 Jahren geeignet, in den Katalog auf. Wie bei einer Suchmaschine für Erwachsene kann nach beliebigen Schlagwörtern gesucht werden, außerdem ist blinde-kuh.de als Katalog organisiert, der die Seiten nach Kategorien wie Lernen, Basteln, Forschen oder Spielen sortiert. Wer sich einfach im Netz treiben lassen will, für den gibt es den Beamer, der einen auf eine zufällig ausgesuchte Seite zu einem bestimmten Themengebiet bringt. Auch die Blinde Kuh hat übrigens ihren Grimme-Online-Award: Im Jahr 2006 war es soweit, nachdem die Seite vorher bereits zwei Mal unter den Nominierten gewesen war.

Seitenstark.de, der Verbund, in dem sich die Blinde Kuh findet, wird in jedem Fall weiter wachsen, da ist sich Großekathöfer sicher: „Es kommen laufend Seiten dazu und es brechen nur selten welche weg“, meint er mit Blick auf das Angebot. Und eins ist allen Seitenmachern wichtig: Mit ihren Angeboten zu zeigen, dass das Internet für Kinder eine Bereicherung sein kann – und nicht nur eine Gefahr, allen Medienberichten zum Trotz.

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