Zeitung Heute : Kreativität gepaart mit handwerklichem Können Steinmetze fertigen nicht nur Grabmale

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„Alles, was aus Naturstein hergestellt werden kann“, machen wir, sagt Eugen Eidner und meint damit Brunnen, Denkmalsockel und sogar Küchenarbeitsplatten. Mit diesem Hinweis will er mit dem Vorurteil aufräumen, Steinmetze würden nur Grabmale fertigen. Der 78Jährige ist der Seniorchef der Steinmetzwerkstätten Scherhag, die mittlerweile seit 110 Jahren in der heutigen Schöneberger Kolonnenstraße in vierter Generation ansässig sind.

Ein Steinmetz oder Steinbildhauer – wie die offizielle Bezeichnung lautet – beschreibt Eidner das Handwerk, müsse kreativ und künstlerisch interessiert sein, aber auch gut rechnen können, ein räumliches Vorstellungsvermögen, Kraft haben und zupacken können. Denn zu dem umfangreichen Aufgabengebiet gehört das Restaurieren von Bauwerken und Denkmälern genauso wie das Verlegen von Bodenplatten und Treppen oder das Setzen von Wandbekleidungen. Er modelliert, formt und stellt Reliefs und Plastiken nach Vorlagen und nach eigenen Entwürfen her und restauriert Bildhauerarbeiten unterschiedlicher Stilepochen.

Neben der manuellen Fähigkeit, den Naturstein zu bearbeiten, ist für Eidner, der 25 Jahre Obermeister der Berliner Innung war und diese auch auf Bundesebene vertrat, die Gesteinskunde besonders wichtig. Denn nur aus den spezifischen Eigenschaften eines Gesteins könne der Steinmetz dessen Eignung für einen bestimmten Verwendungszweck erkennen. Was nützt die gelungenste handwerkliche Bearbeitung, wenn die Verwitterungsbeständigkeit falsch eingeschätzt wurde und die Steinmetzarbeit nach wenigen Jahren durch Umwelteinflüsse zerstört wird. „Wir teilen den Naturstein hauptsächlich in zwei große Gruppen, und zwar in weiche und harte Gesteine“, erklärt der Seniorchef und erläutert, dass es sich einmal um Steine handelt, die durch Ablagerungen in Millionen von Jahren entstanden sind, und in der anderen Gruppe die Steine zusammengefasst sind, die durch Eruptionen an die Oberfläche kamen.

Um fachmännisch beraten zu können, sagt der Fachmann, sollte ein Steinmetz auch die Stilepochen kennen, Gestaltungsmöglichkeiten empfehlen und über Schriftarten und Symbole Bescheid wissen. „Der Kunde, der zu uns kommt, will ja beraten werden und was sehen“, erzählt der Seniorchef und fügt hinzu, dass häufig das räumliche Vorstellungsvermögen des Kunden nicht ausreiche. Und so sind in den Ausstellungsräumen der Firma, neben diversen Gesteins-Musterplatten und Miniatur-Grabsteinen, auch Beispiele zu sehen, die zur handwerklichen Arbeit eines Steinmetz’ und Steinbildhauers gehören: Kreativ gestaltete Grabmale in Form einer Blüte, Stelen, Skulpturen, ein Regal aus Granit, Accessoires für den Garten oder auch kleine Tafeln mit Sternkreiszeichen.

„55 Prozent des Umsatzes machen wir mit dem Grabmal, die restlichen mit Bauleistungen“ sagt Eidner. Das sind Straßenmöbel, Hauseingänge, Schrifttafeln, Boden- und Wandbekleidungen für Bäder, Denkmalsockel oder auch Altare. So findet man Arbeiten von Scherhag nicht nur im Berliner Stadtbild, wie beispielsweise die Brunnen am Markusplatz, am Innsbrucker Platz und auf dem Gelände der Charité oder Schriftplatten im Chinesischen Garten, sondern auch im brandenburgischen Wustrau, wo der Sockel des Zieten-Denkmals erneuert wurde. W.H.

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