Kreuzweise deutsch : Blumen für die Frauen

Angela Elis

Gula und Acedia, Völlerei und Faulheit, sind nach einer vom Vatikan erstellten Rangliste die häufigsten Sünden der Männer. Wir wissen nicht, was Gott am Tag des Jüngsten Gerichtes dazu sagt, aber sein Stellvertreter auf Erden verkündet, dass sich die Herren der Schöpfung so ihr Seelenheil verderben. Wer hätte es gedacht, damit spricht der Papst uns Frauen aus dem Herzen, wissen wir doch längst, dass die Herren der Schöpfung neben dem bekannten Einen meist nicht viel mehr erwarten, als dass es mit der Rundumversorgung wie einst bei Mama bis ans Ende ihrer Tage weitergeht.

So rackern sich Frauen ab zwischen Küche und Kindern und dem Versuch, Karriere zu machen. Auch in der DDR war das so. Allerdings gab es einmal im Jahr eine Ausnahme, am 8. März, dem Internationalen Frauentag. Da überreichte der Chef, falls der Bedarf gedeckt werden konnte, rote Nelken, und noch heute assoziieren viele ihr untergegangenes Land mit diesen Blumen, die es am 1. Mai dann noch einmal gab. Am Frauentag wurde den Heldinnen der Arbeit im Kombinat Kaffee und Kuchen serviert, und am Abend ging’s zum Tanz, bei dem die Frau, die Mann ansonsten nur in Kittelschürze oder Blaumann kannte, zeigen konnte, worauf sie neben Berufstätigkeit und Familie noch Lust hatte.

Zu DDR-Zeiten waren 90 Prozent der Frauen in den Erwerbsprozess integriert, im Westen waren es dagegen nur 40. Deshalb feierte man dort auch lieber den Muttertag.

Doch die Berufstätigkeit hat Ostfrauen trotz der Mehrfachbelastung selbstbewusst und unabhängig gemacht, was auch Vorteile für den Mann hatte, der musste im Fall der Scheidung nicht für seine Ex zahlen. Schon Walter Ulbricht wollte, dass sich die Damen auch in technischen Berufen bewähren, schließlich könne man den Sozialismus nicht nur mit Friseusen aufbauen. Im Westen war das anders. Dort waren die Frauen laut BGB noch bis 1976 verpflichtet, den Haushalt zur Zufriedenheit des Mannes zu führen, und wollten sie dann noch berufstätig sein, brauchte es die Zustimmung des Ehemannes.

Die Welt hat sich geändert. Heute beherrscht beide Geschlechter die bange Frage, wo bekomme ich einen Arbeitsplatz her, oder wie lange darf ich meinen noch behalten? Aber die Vergangenheit erblüht noch hin und wieder. Manch ostdeutscher Chef überlegt, den Frauentag wiederaufleben zu lassen. Problem ist das Antidiskriminierungsgesetz. Auch Männer dürfen nicht benachteiligt werden.

Angela Elis und Michael Jürgs mokieren sich im Wechsel über Ost und West.

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