Kreuzweise deutsch : Lang lebe der Osten!

Michael Jürgs

Schätzungsweise 6,7 Milliarden Menschen bevölkern die Erde. Gott und Teufel holen täglich Zigtausende zu sich, aber trotz der nach wie vor hohen Kindersterblichkeit in Afrika wächst die Menschheit. Der deutsche Anteil an ihr beträgt plus/minus 80 Millionen, so genau weiß das niemand. Sicher ist nur, dass es genügend Deutsche gibt und die laut Statistik immer älter werden.

Im Westen der Republik ist die Lebenserwartung noch immer etwas höher als die im Osten, obwohl Ossis, seitdem sie den Wessis 1990 lieb und recht teuer wurden, ihre Verweildauer auf Erden gesteigert haben. Bis es sie erwischt, leben dennoch viele lieber hier statt dort bei sich. Aus verdorrten Landstrichen jenseits der Speckgürtel um Städte wie Dresden, Leipzig, Jena, Potsdam, in denen es kaum Chancen auf Arbeit gibt, ziehen aber nicht nur junge, sondern auch alte Mobile in den Westen. Motto: Wenn die Ärzte nicht zu uns kommen, dann kommen wir zu den Ärzten, Viele Mediziner scheuen den Osten, ganz egal, wie einfallsreich Landräte und Bürgermeister – mietfreie Praxisräume, Patientenkarteien – sie auch locken mögen.

Alte Orte Ost sterben aus, aber alte Ortsansässige nicht mehr so schnell wie früher. Erscheinungen des Alters wie Rheuma, Bluthochdruck werden wirksamer behandelt, denn seit 1990 gibt es bessere Medikamente, nach dem Tod industrieller Dreckschleudern zudem eine gesündere Umwelt. So stieg sogar im Jammertal Ost die allgemeine Lebenserwartung. Dennoch ist da die Gefahr, an einem Herzinfarkt zu sterben, durchschnittlich höher als im Westen. Außer den ortsüblichen Risikofaktoren wie Fettleibigkeit durch die gewohnten Sättigungsbeilagen machen Experten „sozioökonomische Faktoren“ wie Arbeitslosigkeit und Stress verantwortlich. Angst essen Seele auf. Wer keine Arbeit hat oder fürchtet, sie zu verlieren, dem bricht früher statt später das Herz. Wo Arbeitslosigkeit niedrig ist, in Baden- Württemberg, leben Deutsche am längsten. Früher ins Jenseits verabschieden sie sich laut aktueller Sterbetafel in Mecklenburg-Vorpommern und in Sachsen-Anhalt.

Ist das schlimm? Ein entvölkertes Meckpomm wäre ideal als klimareinigender Leerraum und in Sachsen-Anhalt, wo es sich wegen der Rechtsextremen extrem gefährlich lebt, könnte in einem Raum ohne Volk ein Reservat für Neonazis entstehen, wo sie sich die Köpfe wund schlagen dürfen. Dafür würden wir gern Eintritt bezahlen und so mal wieder beitragen zum Aufbau Ost.

Michael Jürgs und Angela Elis mokieren sich im Wechsel über Ost und West.

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