Kreuzweise deutsch : Ossi tuckert – Wessi schwebt

Angela Elis

Der Fußball fliegt. Es spielen für den Werbespot, nicht zu verwechseln mit Werbeschrott: Beckmann und Delling, Schmidt und Pocher, Lierhaus und Maischberger – das ARD-Star- Aufgebot für Olympia 2008. Ein Ossi ist nicht dabei! So auch bei der ZDF-Moderatorenkampagne. Wobei dieses Ossi- Wessi-Thema so lange eines bleibt, bis sich keiner mehr darüber wundert, dass es ausgerechnet ein Ostprodukt wie Rotkäppchensekt oder Stanislaw Tillich auf dem Markt der Möglichkeiten schafft, sich durchzusetzen.

Was nun den Sekt anbetrifft, könnte man zu der Meinung gelangen, dass die Ostdeutschen eben mehr vom Trinken als vom Fernsehen oder Reisen verstehen, hier aber zählen Tatsachen. Dazu gehört, dass sich die Stars von ARD und ZDF demnächst in Peking einfliegen lassen. Es lebe der kleine Unterschied! Denn während die einen auf dem Weg zum Ziel über den Wolken schweben werden, tuckert derweil ein anderer mit seinem Trabant nach China.

Der Plan: über Riga zum Roten Platz und bei Nowosibirsk will dieser Mann, eines der letzten Ossi-Originale, den einmillionsten Trabbi-Kilometer seit der Wende erfahren. Leider ist dieser Herr aus Halle vom Aussterben bedroht, weil er allein schon aufgrund seines Alters nur noch wenige Chancen auf Fortpflanzung hat. Bei der Artenschutzkonferenz ist er allerdings nicht mit auf die Liste gekommen. Die endet morgen und so wird wohl auch bei diesem Welt-Bewahrungs-Treffen das Fazit sein, dass man sich bald wiedersehen will, an einem möglichst schönen Ort.

Bleibt als letzte Anlaufstelle nur noch die knallrote Retropartei, die gern die Deutungshoheit für die DDR und Folgen übernommen hat. Nebenwirkungen wie die, dass Stasi-Gefängnisse zu Wellnessoasen und Stasi-Spitzel als Retter des Weltfriedens umetikettiert werden, eingeschlossen. Gysi selbst wird von dieser Kernkompetenz profitieren.

Der Berühmteste unter den Trabbi-Ossis versteht sich aber bisher als Einzelkämpfer und sollte er den Platz des Himmlischen Friedens erreichen, hat er was zu erzählen. Zum Beispiel wie es aussieht im Hinterland des Staatskapitalismus im kommunistischen Gewand.

Ist es nur ein Gerücht, dass die Öffentlich-Rechtlichen überlegen, jetzt wenigstens noch Egon Krenz zu engagieren, damit der die Texte aus der Flugzeug-Hotel- Stadion-Studio-Perspektive im Sinne der chinesischen Regierung ergänzen und ideologisieren kann über Konterrevolutionäre und die Helden der Volksbefreiungsarmee? Damit wäre das für manchen vorteilhafte Vorurteil erhärtet: Aus dem Osten kann ja nichts Vernünftiges kommen!

Michael Jürgs und Angela Elis schreiben im Wechsel über West und Ost.

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