Kreuzweise deutsch : Volk, höre das Signal

Michael Jürgs

Was Kommunisten von Kolumnisten unterscheidet, sind unter anderem Signale. Die einen wollen Völker aufrütteln, die anderen Leser aufschrecken. Gemeinsam ist beiden, dass kein höheres Wesen, kein Gott, kein Kaiser, kein Tribun, sie rettet, wenn sie sich mal wieder verrannt haben. Kurt Beck ist weder das eine, noch das andere und vermag deshalb nicht „jeden Scheiß rückgängig“ machen, wie er das Treffen von Heidemarie Wieczorek- Zeul mit dem Dalai Lama bei dessen Tourneeauftritt in Berlin kommentierte. Dabei hätte KB nichts mehr zu verlieren angesichts seiner demoskopischen Werte, könnte getrost den Refrain mitsingen, nach dem die Internationale das Menschenrecht erkämpft, nicht nur in Tibet, nicht nur für SPD-Vorsitzende, sondern auch in neuen Bundesländern.

Solche absurden Übergänge dürfen sich aber nur Kolumnisten leisten. Ab hier wird’s jetzt logisch: Weil Kommunisten die DDR auf Ruinen heruntergewirtschaftet haben, brauchte es nach 1990 die Solidarpakte I und II, um das Arbeiter- und Bauernparadies auch für Irdische bewohnbar zu machen (schon gut, Ossis, gern geschehen). Mittlerweile haben sogar von der Gedanken Blässe nie befallene Lobbyisten wie Steuerzahlerbundchef Karl Heinz Däke den Unterschied zwischen Solidarpakt und Solizuschlag begriffen. Letzteren entrichten auch die Steuerzahler Ost. Und beim Scherz, von den Transfermilliarden hätte man sich aus dem insolventen Ostblock lieber einen Staat kaufen sollen, der über Bodenschätze verfügte, lachen nur noch Unterschichtler aus dem Westen.

Wichtiger Baustein für den Wirtschaftsaufschwung Ost ist die Investitionszulage. Die wird bei Gründung selbst kleinster Leuchttürme ohne westübliche bürokratische Verzögerungen erteilt. Politiker, die sie infrage stellen, müssten zur Strafe jeden Samstag bis Mitternacht Wunschkonzerte des MDR schauen oder Norbert Hansen verteidigen, der sich beim Umsteigen vom Gewerkschafterzug Transnet in den Salonwagen Arbeitsdirektor der Deutschen Bahn als moralischer Schwarzfahrer erwies.

Die Idee der Zulage ist ostausbaufähig. Landesregierungen, die NPD und DVU unter fünf Prozent in den braunen Sumpf drücken, bekommen vom Bund als demokratische Investition in die Zukunft eine Prämie, mit der sie Bürgerbüros, Jugendzentren und Polizeiposten finanzieren können. Eine nazifreie Zone ist – höre das Signal, Volk! – der beste Anreiz für Investoren, Arbeitsplätze zu schaffen. Abbau rechts bewirkt den wahren Aufbau Ost. Hier geht’s los.

Michael Jürgs und Angela Elis schreiben im Wechsel über Ost und West.

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