Zeitung Heute : Krieg in Nahost: Krieg gegen Kinder

Harald Martenstein

In Israel ist Krieg. Kein Krieg, in dem zwei Armeen in Uniformen aufeinander zumarschieren und kämpfen, sondern ein Krieg unter Nachbarn. Zwei Völker, die Israelis und die Palästinenser, leben dort Tür an Tür, Straße an Straße. Sie töten sich gegenseitig. Und sie töten immer mehr Kinder. Manchmal aus Versehen. Aber auch absichtlich. Das hat es zum Glück noch nicht oft gegeben: Ein Krieg, in dem absichtlich Kinder getötet werden. In den letzten Monaten sind mehr als 200 palästinensische und mehr als 40 israelische Kinder umgebracht worden. Mehr als 500 wurden so schwer verletzt, dass sie nie wieder gesund werden.

Wie ist es dazu gekommen? Vor sehr langer Zeit ist das Volk der Juden aus Israel vertrieben worden. Die Juden gingen in alle möglichen Länder, aber sie behielten ihre Religion. Sie versuchten, den Bräuchen ihres Volkes treu zu bleiben. In den anderen Ländern machte das viele misstrauisch. Die Juden wurden oft verfolgt oder sogar getötet, am allerschlimmsten war es in Deutschland zur Zeit von Hitler. Irgendwann sagten einige von ihnen: So geht es nicht mehr weiter. Wir brauchen endlich wieder ein eigenes Land, das uns gehört und wo wir sicher sind.

Ein Teil der Juden ging zurück in die alte Heimat und gründete dort den neuen Staat Israel. Aber dort lebten schon Leute, die Palästinenser. Die neuen Siedler vertrieben viele der alten Bewohner. Ihre Häuser wurden ihnen einfach weggenommen. Die Palästinenser sagten: Was haben wir euch getan, warum sollen wir unsere Heimat verlieren? Der Krieg fing an.

Auf beiden Seiten gibt es eine Menge Leute, die vom Krieg genug haben und Frieden schließen wollen. Am besten, man teilt das Land in zwei Staaten auf. Man war sogar schon kurz davor. Israel hatte einen Präsidenten, der unbedingt Frieden wollte und zu fast allem ja gesagt hat, was die anderen verlangt haben, aber dem Chef der Palästinenser war es immer noch nicht genug. Danach haben die Israelis voller Wut den friedlichen Präsidenten abgesetzt und einen besonders kriegerischen gewählt. Alles wurde noch viel schlimmer.

Es gibt immer wieder einzelne, die mit dem Töten weitermachen und dafür sorgen, dass der alte Hass auch bei den anderen wieder ausbricht. Palästinenser gehen in ganz normale Restaurants und sprengen sich dort in die Luft. Sie wollen, dass dabei möglichst viele Menschen sterben, auch Kinder. Manche Israelis möchten den Palästinensern sogar das bisschen Land wegnehmen, das sie noch haben. Palästinensische Kinder greifen israelische Soldaten mit Steinen an, manchmal werden sie von den Erwachsenen vorgeschickt. Manchmal schießen die israelischen Soldaten auf sie. Sie zerstören aus Rache Häuser von Palästinensern, die mit den Steinen und den Bomben vielleicht gar nichts zu tun haben.

Wer hat Recht? Wer sind die Guten, wer die Bösen? Auf diese Frage gibt es keine kurze und einfache Antwort. Und wenn man versucht, sie zu beantworten, gibt es sofort neuen Streit.

Ein Krieg gegen Kinder. Was kann man dagegen tun? Man könnte an die Botschaften von Israel und das Büro der Palästinenser schreiben oder demonstrieren, aber das bringt wahrscheinlich nicht viel. So hart es klingt: Wir, die Leute in Europa, können wahrscheinlich gar nichts tun außer zu hoffen. Viele Regierungen versuchen seit Jahren, zwischen Palästinensern und Israelis Frieden zu stiften. Und irgendwann hat jeder Krieg aufgehört. Einmal, vor langer Zeit, haben zwei Völker hundert Jahre lang gegeneinander gekämpft. Heute sind sie Freunde: die Engländer und die Franzosen.

Aber rückgängig machen lässt sich nichts. Die toten Kinder werden nicht wieder lebendig.

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