Zeitung Heute : Kriminalität auf Pump

Harald Martenstein

In den Koalitionsverhandlungen hat die CSU nicht viel gerissen, aber diese Sache schon. Eltern, die ihre Kinder zu Hause erziehen, statt sie zum Beispiel in die Kita zu schicken, bekommen in Zukunft eine Prämie. Es sind 150 Euro im Monat. Das Geld soll die Eltern dafür entschädigen, dass sie nicht beide berufstätig sind. Es ist eine Art Erziehungsgehalt und die schlimmste Verschwendung von öffentlichen Geldern, seit Kaiser Caligula sein Pferd zum Consul ernannt hat.

Jetzt schreibe ich etwas Unoriginelles, etwas, das jeder weiß, außer vielleicht in der CSU: Seit Jahren steigt die Zahl der Familien, in denen Erziehung kaum noch stattfindet. Sind es inzwischen 15 Prozent? Oder 20? Wir reden hier über Familien, in denen es seit einer ganzen Generation keine bezahlte Arbeit mehr gibt, in denen kein Deutsch gesprochen wird, in denen niemand jemals ein Buch liest. Die einzige Chance, die Kinder aus solchen Familien haben, ist der Staat, der sie aus dieser Familie herausholt und ihnen zu Bildung verhilft.

In Gestalt der 150 Euro zahlt also zum ersten Mal in der modernen Geschichte ein europäischer Staat eine Anti-Bildungs-Prämie. Die 150 Euro sind eine Anschubfinanzierung für die Straßenkriminalität der Zukunft, eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Jugendrichter und Drogentherapeuten und das erste offizielle EU-Konjunkturprogramm für die afghanische Heroinindustrie. Alle, denen im Jahre 2020 am Kottbusser Tor von Jugendlichen das Nasenbein gebrochen wird, sollen Dankesbriefe an Horst Seehofer schicken.

Vielleicht hätte der kleine Kevin unter günstigeren Umständen ja sogar das Abitur gemacht, und wäre heute Ingenieur, aber Horst Seehofer hat mit Hilfe der Anti-Bildungs-Prämie dafür gesorgt, dass Kevins besoffener Vater ihm das Hirn weich und das Herz hart geprügelt hat.

Familie ist nicht automatisch „gut“. Es gibt gute, schlechte und sehr schlechte Familien. Die Anti-Bildungs-Prämie, die so tut, als sei Familie immer gut, gehört zu den wenigen konservativ-ideologischen Bestandteilen des neuen Regierungsprogramms. Ideologie bedeutet: Leugnung der Wirklichkeit zugunsten einer Idee.

Einerseits will die neue Regierung die frühkindlichen Bildungsangebote ausbauen. Alle Kinder sollen Deutsch lernen. Andererseits bezahlt sie denjenigen, die diese Angebote am nötigsten haben, Geld dafür, dass sie das Angebot nicht wahrnehmen. Finanziert wird diese Absurdität, um den Wahnsinn ein weiteres Mal zu steigern, mit Hilfe von Schulden. Der deutsche Staat ist der erste Staat, der Schulden aufnimmt, um seine Kriminalitätsrate zu steigern.

Gewidmet ist dieser Text dem Neuköllner Bürgermeister, der es so ähnlich sieht und der den Mut hatte, es auszusprechen.

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