Zeitung Heute : Kriminalität erstmals seit sechs Jahren gestiegen

Der Tagesspiegel

Erstmals seit 1996 ist die Kriminalität in Berlin wieder gestiegen. Registriert wurden im Vorjahr insgesamt 572 272 Straftaten. Wie Innensenator Ehrhart Körting (SPD) gestern bei der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik 2001 sagte, erreichte gleichzeitig die Aufklärungsquote mit 49,8 Prozent ihren höchsten Stand seit 1968. Damals lag sie bei 51,2 Prozent.

Gegenüber dem Jahr 2000 stieg die Aufklärungsquote allerdings nur um einen zehntel Prozentpunkt, während die Zahl der registrierten Straftaten um 2,7 Prozent oder 15 271 Delikte stieg. Diese Tendenz sei „nicht gut, ist aber auch keine Katastrophe für die Stadt“, sagte Körting. Alle müssten darüber nachdenken, wie dieser Entwicklung entgegen gesteuert werden kann.

Hohe Zuwachsraten sind besonders bei der EC- und Kreditkartenbetrügereien und bei der Internetkriminalität zu verzeichnen (plus 61,1 Prozent). Falschgelddelikte schlagen mit einem Plus von 106 Prozent zu Buche. Nach Darstellung von Polizeivizepräsident Gerd Neubeck ist das eine Folge der Euro-Einführung, in deren Vorfeld Geldfälscher versuchten, ihre DM-Blüten loszuwerden. Gleichzeitig registrierte die Polizei eine Zunahme der Geldwäsche-Verdachtsanzeigen durch Banken von über 50 Prozent. Die befürchteten Überfälle auf Geldtransporter blieben aus.

Gesunken sind vor allem die Raubtaten: Es ereigneten sich nicht nur weniger Handtaschenraube (minus 29, 6 Prozent), auch die Zahl der Banküberfälle sank um 28 Prozent, die auf Postämter und Geschäfte um rund 13 Prozent. Neubeck sieht darin einen deutlichen Beleg dafür, dass durch Sicherungsvorkehrungen, wie sie Banken oder Supermärkte getroffen haben, Verbrechen verhindert werden können.

Dafür wichen die Täter offenbar auf die noch weitgehend ungesicherten Tankstellen aus (plus 74 Prozent) oder suchten sich Taxifahrer als Opfer (plus 55 Prozent). Gegenüber dem Jahr 2000 registrierte die Polizei eine Zunahme der Körperverletzungsdelikte (plus 6 Prozent) und der Sexualdelikte um 26,8 Prozent. Darin sind allerdings Fälle enthalten, die noch aus dem Jahr 2000 stammten, aber erst 2001 abgeschlossen wurden und daher erst in die Statistik dieses Jahres eingingen. Mord und Totschlag gingen in Berlin zurück, insgesamt wurden zwölf Taten weniger als im Vorjahr registriert.

Delikte häuslicher Gewalt zwischen Ehe- oder Lebenspartnern, von leichter Körperverletzung bis zum Mord, wurden erstmals gesondert in der Statistik erfasst. In fast 79 Prozent waren Männer die Täter und Frauen die Opfer, rund bei rund 13 Prozent war es umgekehrt. In über 66 Prozent der Fälle war es Körperverletzung, aber auch 19 Totschlagsfälle und vier Morde unter Ehepartnern verzeichnet die Statistik.

Die jetzt vorgestellte offzielle Statistik weicht von der ab, über die vergangene Woche berichtet worden war. Seinerzeit lagen nur Zahlen vor, die aus dem Bereich der Schutzpolizei stammten. Die Statistik aus dem Landeskriminalamt (LKA) lag damals noch nicht vor. Aus den Zahlen beider bereiche setzt sich aber die Berliner Gesamtstatistik zusammen. Gleichzeitig gab es im Bereich der Schutzpolizei teils außerordentliche Steigerungen, weil Ermittlungsbereiche vom LKA abgezogen und von der Schutzpolizei übernommen wurden, wie beispielsweise der Kleinhandel mit Drogen. weso

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