Zeitung Heute : Kriminalität in Berlin offenbar wieder gestiegen

Der Tagesspiegel

Nach Jahren des kontinuierlichen Rückgangs der Kriminalität ist die Zahl der Straftaten im vergangenen Jahr offenbar wieder gestiegen. Gleichzeitig stieg auch die Aufklärungsquote. Dabei bringen die Neustrukturierung und das Berliner Modell bei der Polizei die Kriminalitätsstatistik ordentlich durcheinander. Derzeit liegen aus inoffizielen Quellen aber lediglich Kriminalitätszahlen der Schutzpolizei vor.

Fälle, die das Landeskriminalamt (LKA) bearbeitete, sind darin nicht enthalten. Da aber aufgrund des Berliner Modells verschiedene Deliktsbereiche wie beispielsweise Taschendiebstahl nicht mehr zentral im LKA bearbeitet werden, sondern in die Direktionen verlagert wurden, verzeichnet die Statistik in diesem konkreten Fall die horrende Steigerungsrate von rund 600 Prozent. Ähnliches gilt auch für Drogendelikte mit einem Plus von über 160 Prozent. Teilbereiche der Rauschgiftkriminalität werden seit März vergangenen Jahres von den örtlichen Direktionen bearbeitet und nicht mehr ausschließlich im Landeskriminalamt; das schlägt sich auch in der Statistik der Direktionen nieder, die sich von einem Tag auf den anderen den Fällen – auch den ungeklärten – nachgehen müssen, die bisher die Kollegen vom LKA bearbeiteten. Die Zahl der Diebstähle ist den Unterlagen zufolge zurückgegangen. Zum Beispiel wurden fast 2000 Ladendiebstähle weniger registriert. Auch beim Autodiebstahl ist ein deutlicher Rückgang von fast 1500 Taten zu beobachten.

Die Polizei wollte sich gestern zu den vorliegenden Zahlen nicht äußern, sondern verwies auf den 18. März. Dann will Innensenator Ehrhart Körting (SPD) die Kriminalitätszahlen für das vergangene Jahr vorstellen. Er sagte gestern, die bekannt gewordenen Zahlen spiegelten nicht die Realität. Dadurch, dass die Bearbeitung verschiedener Delikte vom LKA auf die Schutzpolizei übergangen sei, hätten sie auch erstmals „Eingang in die Statistik des Landesschutzpolizeiamtes“ gefunden. Der statistische Anstieg sei „für die Gesamtberliner Kriminalitätsentwicklung ohne jede Bedeutung“.

Nach den vorliegenden Unterlagen stieg die Gesamtkriminalität im Vergleich zum Jahr 2000 um knapp 6 Prozent auf weit über 460 000 Taten im Jahr 2001. Die Aufklärungsquote stieg dagegen nur geringfügig um wenige Zehntel Prozentpunkte.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) und auch die CDU kritisierten gestern wegen der steigenden Kriminalität die Sparpolitik des Senats und die beabsichtigte Schließung mehrerer Polizeiabschnitte. Dies sei angesichts der bekannt gewordenen Zahlen verantwortungslos, sagte der Berliner GdP-Vorsitzende Eberhard Schönberg.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU, Frank Henkel, fürchtet, dass bald „die Sicherheit für die Berliner zu einem Luxusgut und nur für Reiche bezahlbar“ wird. Henkel warf Finanzsenator Thilo Sarrazin vor, „kopflos und mit der Rasenmähermethode“ zu sparen.

weso

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