Zeitung Heute : Krimiseiten im Netz: Zum Vergnügen: todesursache-mord.de

Matilda Jordanova-Duda

Der Mörder war wieder der Gärtner, und er plant schon den nächsten Coup. Im interaktiven Krimispiel auf www.todesursache-mord.de gibt es leider keinen Gärtner. Das hätte die Sache des Spielers in der Rolle des Dorfpolizisten zu sehr erleichtert. So hat er die Wahl zwischen dem indischen Butler und der Schwester des Hausherrn. Wer hat die Unbekannte in der Bibliothek erwürgt? Obwohl die Dialoge witzig und das Interieur viktorianisch ist, läuft das Spiel etwas zäh. Und manchmal stürzt der Computer ab - es war wohl doch der Gärtner.

Wenn jemand im Internet auf seine Kosten kommt, dann sind es die Krimi-Fans. Wo das Auge hinsieht: Homepages mit schwarzen Katzen, blutige Spuren, Spinnennetze, Männer mit Schlapphüten. Zum Spielen und Rätseln wird man allerdings nicht so oft eingeladen. Es gibt vor allem Lesestoff. Nicht nur Neuerscheinungen, die man gleich bestellen kann. Vergriffene Bücher seines Lieblingautors findet man im Antiquariat ( www.hammet-krimis.de ) wieder.

Lücken im Werdegang eines Detektivs hilft die Galerie der Serienhelden ( www.krimi-forum.de ) zu füllen: von A wie Bruder Athelstan, ein mittelalterlicher Priester, bis V wie Viereinhalb Freunde aus der gleichnamigen Kinder-Reihe. Buchhändler und Verlage stellen im Internet ihre Specials vor: historische und regionale Krimis, englische und französische Bücher, Detektivromane für Kinder und solche für Lesben.

Viele Leser teilen ihr Geheimwissen völlig uneigennützig Anderen mit: sei es ein Portrait ihres bevorzugten Autors, eine Rezension des gerade gelesenen Romans oder eine Biografie des Serienhelden. Recht eigenwillig kommentiert Britta Gloß ( www.krimiseum.de ) die Geschichte der Kriminalliteratur, zu deren Anfänge sie auch die antike Ödipus-Drama zählt. Auch für Krimi-Fans, die handfeste Verbrechen lieben, gibt es genug zu tun. Im Forum kaliber38.de stellen sie Zitatensammlungen zu Themen zusammen wie "Kühlschränke im Krimi" oder warum Privatdetektive immer wieder feststellen müssen, dass der Lebensmittelvorrat vergammelt ist? Besonders viel zu bieten hat die Rubrik "Sex in Crime". Selbst ansonsten realistische Krimis gleiten hier ins Reich der Mythen über.

Geschichten aus dem Netz entstehen oft nach folgendem Prinzip: Zwei Freunde sitzen eines Abends bei Tisch und reden wie immer über Krimis, bis sie auf die Idee kommen, selber einen zu schreiben. Einen solchen nämlich, den "wir selber weder lesen noch im Kino schauen möchten". Das war der Anfang einer Serie von Kurzerzählungen auf einer "Urdruck" genannten Website. Und Autoren, die in einer Buchhandlung vergeblich zu suchen wären, haben gute Chancen, im Internet zu Publikum zu kommen. Einer verspricht, eine Münsterland-Saga gratis zuzumailen, wenn Bedarf an Killern, Schafen, oder tödlicher Lyrik besteht. Im "Underground" ( www.detektiv-klub.de ) soll das jüngste Online-Mitglied 8 Jahre alt sein. Die Website lockt mit Detektiv-Urkunden, Detektiv-Schule und Online-Shop und kommt ohne blutiges Design aus. Der Spieler kann leider die Handlung und das Verhör wenig beeinflussen. Ihm bleibt lediglich überlassen, auf Körpersprache, Widersprüche und Reaktion der Verdächtigen zu achten und seine Schlüsse zu ziehen.

Unter krimi-forum.de finden sich Links zu Zeitgenossen, die es wissen müssen. Zum "Lexikon der deutschen Krimiautoren" und zu den einschlägigen Vereinen "Das Syndikat" und der deutschen Sektion von "Sisters in Crime". Wer wissen will, ob alle Detektive auch im richtigen Leben Pistolen tragen, wendet sich an die leibhaftigen Profis. Im Forum der Fachzeitschrift "Detektiv-Kurier" ( www.detektiv-kurier.de ) beantwortet der Verband der privaten Ermittler neugierige Fragen. Die Antwort: Meistens nicht. Detektive sind auf Deeskalation geschult.

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