KRISENREGION KAUKASUS : Nicht zur Ruhe

Kauskasus
Die Krisenregion Südossetien -Grafik: Tsp/Bartel

Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion ist der Kaukasus, auf dem rund 50 Völker leben, immer wieder Schauplatz bewaffneter Konflikte gewesen.

TSCHETSCHENIEN: Die Unabhängigkeitsbestrebungen des Gebiets, das sich 1991 von Moskau losgesagt hatte, haben in den 90er Jahren zwei Kriege ausgelöst. Im Dezember 1994 gab Russlands Präsident Boris Jelzin seinen Truppen den Befehl zur militärischen Intervention, rund 40 000 Soldaten marschierten in Tschetschenien ein. 21 Monate nach Beginn der Kampfhandlungen unterzeichneten beide Seiten einen formellen Friedensvertrag. Zuvor hatten tschetschenische Truppen die Hauptstadt Grosny zurückerobert, Russland musste sich geschlagen geben. Im Oktober 1999 marschierten erneut russische Soldaten in Tschetschenien ein, nachdem die Region zu einem Rückzugsgebiet für islamistische Terroristen und kriminelle Clans geworden war. Der Krieg endete zwar nach wenigen Monaten, der Konflikt zwischen Russland und Tschetschenien aber dauert an. Einen furchtbaren Höhepunkt erreichte er, als tschetschenische Selbstmordattentäter im Moskauer Dubrowka-Theater im Oktober 2002 rund 700 Geiseln nahmen.

DAGESTAN: Die größte russische Kaukasusrepublik ist auch ein Schauplatz der Tschetschenien-Kriege gewesen. Im Oktober 1999 waren tschetschenische Kämpfer unter dem Rebellenführer Schamil Bassajew in Dagestan einmarschiert, Moskau reagierte darauf mit einer Militäroffensive – es war der Beginn des Zweiten Tschetschenienkriegs.

INGUSCHETIEN: Zu Zeiten der Sowjetunion war Inguschetien Teil der TschetschenischInguschetischen Autonomen Sowjetrepublik (ASSR). 1992 wurde es dann eine eigene Republik. Im Gegensatz zu den ethnisch eng verwandten Tschetschenen suchte Inguschetien den Anschluss an Moskau. Im Juni 2004 überfielen 200 tschetschenische Rebellen mit Granatwerfern und Raketen zeitgleich mehrere Ortschaften und Regierungsgebäude in Inguschetien. Dabei wurden auch der Innenminister der Kaukasusrepublik, Abukar

Kostojew, sowie sein Stellvertreter und

ein UN-Mitarbeiter getötet.

NORDOSSETIEN: Die Osseten leben in zwei Staaten: Während Südossetien völkerrechtlich zu Georgien gehört, ist Nordossetien an Russland angegliedert. Moskau hat dort seine wichtigste Militärbasis im Kaukasus. Die Auswirkungen des Konflikts um das benachbarte Tschetschenien bekommt auch Nordossetien zu spüren: So überfiel im September 2004 ein tschetschenisches Kommando die Grundschule in Beslan und hielt dort 1200 Menschen mehrere Tage als Geiseln gefangen. Bei einem desaströsen Befreiungseinsatz russischer Sicherheitskräfte starben 331 der Geiseln, mehr als die Hälfte davon Kinder.

SÜDOSSETIEN: Nach einem bewaffneten Konflikt mit Georgien sprachen sich die Südosseten Anfang 1992 in einem Referendum mehrheitlich für ihre Unabhängigkeit und die Vereinigung mit Nordossetien aus. Im Juni desselben Jahres wurde nach einem Waffenstillstandsabkommen zwischen Russland und Georgien eine Friedenstruppe an der georgisch-südossetischen Grenze stationiert.

ABCHASIEN: Völkerrechtlich betrachtet gehört die Region an der Schwarzmeerküste zwar zu Georgien, faktisch ist sie aber seit 1993 unabhängig. Russland

unterstützt diese Unabhängigkeit. In

Abchasien sind – ebenso wie im Konfliktgebiet Südossetien – russische Friedenstruppen stationiert. Erst im Mai dieses Jahres hatte Russland dort seine Truppen aufgestockt.

BERG-KARABACH: Der Streit um

das von Armeniern besiedelte, aber zu Aserbaidschan gehörende Gebiet begann schon 1988, weitete sich 1992 dann zu einem Krieg der beiden Staaten aus.

Armenien eroberte Berg-Karabach und weite Teile im Süden Aserbaidschans. Seit 1994 gilt ein brüchiger Waffenstillstand. Durch den Ölboom wird Aserbaidschan finanziell und militärisch stärker und könnte versucht sein, seine Gebiete zurückzuerobern.AFP

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