Zeitung Heute : Kritik an RTL-Regionalfenstern: Sat 1 steht in einem besserem Licht

Ulrike Simon

Kritik an seinen Regionalprogrammen für Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen muss sich RTL gefallen lassen. Eine Untersuchung des Göttinger Instituts für Medienforschung im Auftrag von sieben Landesmedienanstalten nahm zwölf Regionalfenster der beiden großen Privatsender RTL und Sat 1 unter die Lupe. Die Studie bescheinigt den Themen der RTL-Regionalfenster NRW und Niedersachsen eine "dramatische Verengung" auf unterhaltende Themen, während sich die Angebote von SAT 1 in Bayern, Hamburg und Mainz durch eine ausgeprägte sachliche und tagesaktuelle regionale Berichterstattung auszeichneten.

Besonders positiv fielen die Sat 1-Fenster in Bayern und Hamburg auf. Dagegen heißt es bei RTL lediglich für das RTL-"Regionalfenster" Hessen, es werde nur zu einem geringen Anteil von unpolitischen "Human-Touch-Geschichten" bestimmt. Grundsätzlich gilt laut dieser Untersuchung jedoch: Das Themenangebot ist zwar vielfältig und die journalistische Qualität zufriedenstellend. Das wirtschaftliche und kulturelle Leben in der Region würde jedoch nur mangelhaft dargestellt, Politik komme nur als Randthema vor. Von der 30-minütigen Sendezeit entfielen durchschnittlich nur 16 bis 19 Minuten auf die eigentliche Berichterstattung.

Die Direktoren der Landesmedienanstalten erklärten, aufgrund der Ergebnisse der Studie werde man intensive Gespräche mit den Privatsendern, vor allem mit RTL in NRW und Niedersachsen, führen. Lizenzrechtliche Fragen werfe die Untersuchung aber nicht auf. Die Erteilung von Lizenzen für die Sender war von den Medienanstalten an einen bestimmten Umfang von regionaler Berichterstattung gekoppelt worden.

Für die nahe Zukunft ist durch Ballungsraumfernsehen mit verstärkter Konkurrenz für die bestehenden Regionalfenster zu rechnen. Wenn dies künftig mehr zum Tragen kommen und sich möglicherweise die Einschaltquoten verschöben, so der nordrhein-westfälische Medienwächter Norbert Schneider, müsse man eventuell neu über Auflagen für Privatsender zur Regionalberichterstattung nachdenken. Denn letztlich könne "man niemanden zwingen, ein Programm zu machen, das niemand sieht". Derzeit liege die Quote der Regionalfenster bei elf bis 13 Prozent. Die befragten Zuschauer erklärten, sie erwarteten von RTL und Sat1 keine Informationsqualität im Regionalmagazin.

Schneider von der Landesmedienanstalt NRW meinte, man sollte von Privatsendern nicht verlangen, etwas ganz anderes in den Regionalfenstern zu machen als im Hauptprogramm. "Es muss in gewisser Verträglichkeit sein und bleiben." Etwas harscher reagierte der Direktor der niedersächsischen Landesmedienanstalt, Reinhold Albert. Er sagte, der Gesetzgeber sollte überprüfen, ob die Regionalfenster noch als "Vielfalg sicherndes Element" anzusehen sind.

Die Pflicht, Regionalfenster zu senden, haben die Länder als Gesetzgeber den Privatsendern seit ihrer Gründung auferlegt, um die Vielfalt der Berichterstattung der terrestrisch, also per Antenne, ausgestrahlten Privatsender zu sichern.

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