Zeitung Heute : Kritik zu dem umstrittenen Arztthriller auf RTL

Manfred Loimeier

Man musste Blut sehen können, um diesen Film zu ertragen, der sich ebenso gut als Arztthriller wie als Liebesmelodram entpuppte - und als Justizdrama noch dazu. Aufnahmen sprossender Brustwarzen paarten sich mit rührseligen Plädoyers im Gerichtssaal sowie mit nervendem Sägen chirurgischer Apparate im Operationsraum, wo ein wenig Vertrauen erweckendes Team in Eifersucht und zuletzt in kaum nachvollziehbare Solidarität verfiel. Rodica Döhnert schrieb diese Geschichte um eine Karrieristin, die kurz vor der Trauung der Liebe ihres Lebens begegnet. Die Ärztin - ansehnlich von Ursula Karven gespielt - vergnügt sich mit einem Komponisten, den kaum weniger gefällig Bernhard Bettermann mimt. Das Liebesglück findet jäh ein Ende, als der Geliebte ins Koma fällt. Die Ärztin entlockt dem Halbtoten ein paar Spermien und wird Mutter. Offenbar war man bei RTL selbst von dieser Story nicht überzeugt, denn Wolfgang Kirchner überarbeitete das Drehbuch. Gleichwohl vermochte er den verworrenen Verlauf der Story und die unheilvolle Mischung der Genres nicht zu entwirren. Dominique E. Othenin-Girard beschränkte sich als Regisseur darauf, bunte, bisweilen vor Blut triefende Bilder zu inszenieren; die dürftige Handlung konnte aber auch er nicht ansprechender gestalten.Der RTL-Fernsehfilm löste unter den Fernsehzuschauern zum Teil scharfe Proteste aus. "Juritisch gesehen ist das Leichenfledderei - verantwortungslos", kritisierte ein Zuschauer. "Ein anderer kritisierte den Film als "Porno in höchster Vollendung", teilte RTL mit. Andere Anrufer aber verlangten, der Sender solle den Streifen wiederholen. Die Einschaltquote war mäßig. 3,80 Millionen Zuschauer wollten "Liebe ist stärker als der Tod" sehen.

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