Zeitung Heute : Krone für Ersatzkaiser

Tröstliches Ende für Stephan Eberharter: Im dritten Anlauf hat der viel kritisierte Olympia-Favorit aus Österreich doch noch seine heiß ersehnte Goldmedaille geholt. Der dominierende Skirennläufer im alpinen Ski-Weltcup - bei Olympia von seinen Landsleuten schon als erfolgloser "Ersatzkaiser" geschmäht - triumphierte bei den Winterspielen in Salt Lake City im Riesenslalom. In Abwesenheit des verletzten Doppel-Olympiasiegers Hermann Maier (Österreich) beglückte der Tiroler die bislang von ihren Ski-Helden enttäuschte österreichische Öffentlichkeit mit dem zweiten alpinen Gold.

Mehr zum Thema Fotostrecke: Bilder aus Salt Lake City
Tagesspiegel: Alle Berichte von den Olympischen Winterspielen
Newsticker: Aktuelle Nachrichten von den XIX. Winterspielen sowie weitere Sportmeldungen Nach Bronze in der Abfahrt und Silber im Super-G hatte Stephan Eberharter vor seinem letzten Olympia-Auftritt fast schon die Rolle des großen Verlierers gedroht. Trotzdem ging er den Tag locker an. "Das glaubt mir niemand: Ich habe mich heute Morgen total müde gefühlt", erzählte er später. Nach seinem Goldlauf ließ sich der stille Mann aus Zillertal zuerst in den Schnee fallen und lächelte danach fast zurückhaltend in die Menge. Eberharter genoss den Sieg - und sein Team auch. "Das ist eine der größten Leistungen im Skisport überhaupt", lobte Österreichs Alpinchef Hans Pum den Sieger. Und: "Stephan Eberharter hat die Grundlage im oberen Teil der Strecke gelegt und ist hervorragend gefahren, obwohl er heute Morgen schwere Beine hatte."

Während der Deutsche Skiverband nicht vertreten war, siegte der schon nach dem ersten Durchgang führende Eberharter mit 0,88 Sekunden Vorsprung vor US-Held Bode Miller. Der Amerikaner hatte sich unter dem Jubel der Zuschauer von Rang sieben auf den Silber-Platz nach vorne gekämpft. Bronze ging an den Norweger Lasse Kjus.

Österreich hat nun sechs alpine Herren-Medaillen in Salt Lake City auf dem Konto. Bei der Nation, die sich nach wie vor als "Skination Nummer eins" (Verbandspräsident Peter Schröcksnadel) einstuft, hatte sich nach zunächst nur einer alpinen Goldmedaille durch Fritz Strobl in der Abfahrt schon öffentlicher Olympia-Frust ausgebreitet. Vor allem von Eberharter, der den Weltcup fast nach Belieben dominiert und insgesamt neun Saisonsiege gefeiert hatte, war in der Alpenrepublik mehr erwartet worden. Der beste Skirennläufer des Winters hatte das erwartete Gold in der Abfahrt verpasst und mit 0,28 Sekunden Rückstand lediglich Bronze gewonnen. Dann kam der Super-G, wo der Top-Favorit mit lediglich 0,10 Sekunden Rückstand auf den Norweger Kjetil-Andre Aamodt zu Silber fuhr und sich durch ungenügende Informationen der Trainer um den Sieg gebracht sah.

Nun, nach seinem erlösenden Sieg, bewunderten ihn sogar die jungen Teamkollegen: "Eine Super-Leistung von Stephan Eberharter. Das lässt uns hoffen, dass das goldene Alter für uns auch noch kommt", meinte einer von ihnen, Christoph Gruber.

Richtig bitter ist die Situation in der einst zweiten Ski-Großmacht Schweiz, nachdem auch Hoffnungsträger Didier Cuche am Donnerstag kein Edelmetall holte. Erstmals seit 1964 in Innsbruck droht das Schweizer Alpin-Team medaillenlos zu bleiben. Statt Erfolgen gibt es Streit und Kritik an den Trainern. Aus dem deutschen Team war überhaupt niemand dabei. Keine andere Disziplin verdeutlicht die Krise der deutschen Alpinfahrer so extrem wie der Riesenslalom. In keinem der sieben Weltcup-Rennen hatte ein Starter eine Platzierung unter den Top 30 geschafft.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben