Zeitung Heute : Kuba Online: Viv@ la revolucion!

Rita Neubauer

Timothy Ashby macht nicht den Eindruck, als wolle er Kubas Revolution unterstützen. Doch genau das hat der Nordamerikaner vor. Wohlgemerkt, nicht die Revolution Fidel Castros, sondern Kubas digitale Revolution. "Eine der Herausforderung für Kuba ist es, bei der technologischen Entwicklung aufzuholen", erklärt der kalifornische Unternehmer während eines Interviews in Palo Alto. "Wir glauben, dass wir der Regierung dabei helfen können."

Unterstützen soll ihn die IT-Industrie in Silicon Valley. Ashby gründete zusammen mit Elizabeth Bourget, einer Marketingfrau, die gemeinnützige Stiftung Sonrisa. Über diese will er Spenden in Form von Computern und Software auf die Insel schaffen. Gleichzeitig will er Kubaner zum Computertraining in die Vereinigten Staaten holen. Gespräche mit Microsoft und Cisco hat er, allerdings ohne konkrete Ergebnisse, bereits geführt. "Das ist alles legal", betont er und bezieht sich auf das nahezu 40jährige US-Handelsembargo gegenüber der Insel, das zwar Wirtschaftsbeziehungen als auch Tourismus ausschliesst, kulturellen und edukativen Austausch jedoch zulässt.

Ashby reiste vergangenen November zum ersten Mal auf die sozialistische Insel und machte dabei eine "erstaunliche" Entdeckung. Kuba mag zwar eine Insel sein, die seit der Revolution 1959 von den USA politisch und ökonomisch in die Isolation gezwungen wird, gänzlich von der Aussenwelt abgeschlossen und rückständig sei das Eiland dennoch nicht. "Die Informationstechnologie gehört inzwischen neben dem Tourismus und der Biotechnologie zu den Prioritäten von Castro."

Das neugeschaffene Ministerium für Informationtechnologie (MINIT) sei dabei, eine IT-Industrie aufzubauen und das E-Business zu entwickeln. Acht Universitäten offerieren inzwischen Kurse in Computerwissenschaften. Das Wissenschaftsinstitut bietet selbiges in der Erwachsenenbildung an. Computerclubs nehmen an Zahl zu. Selbst die Kommunistische Jugendorganisation liege mit Computerkursen im Trend und die Regierung arbeite an der Einrichtung von Cybercafes.

Auch existieren auf der Insel inzwischen vier Internet Service Provider sowie zwei Portals - unter dem Dach der Regierung versteht sich. Kuba hat sogar begonnen, seine eigenen Rechner aus importierten Teilen zusammenzuschrauben. 30 Software-Firmen gibt es auf der Karibikinsel.

"Kuba ist ein idealer Standort für eine IT-Industrie - hochqualifizierte, motivierte und gleichzeitig billige Arbeitskräfte", notiert Ashby und macht damit kein Hehl aus der Tatsache, dass seine Motive nicht gänzlich altruistischer Natur sind. "Ich bin ein Geschäftsmann und als Geschäftmann möchte ich anderen Unternehmern helfen, einen Fuss in die Tür zu bekommen."

Wenn Kuba auch weiter eine von Staat und Partei regulierte und kontrollierte Insel ist, die Regierung dürfte inzwischen erkannt haben, dass sich der Internet-Zugang langfristig kaum reglementieren lässt. Schon ist die Rede von einer "Internet-Guerilla", die sich angeblich ohne staatliche Erlaubnis Zugang zum Internet verschaffe.

Wieviele zum Kreis dieser "informaticos" gehören, ist schwer zu sagen. Insgesamt ist die Zahl derjenigen klein, die legal, will heissen mit Erlaubnis der Regierung, im Internet surfen. Es wird geschätzt, dass es sich dabei um rund 40 000 Regierungsvertreter, Unternehmer und Ausländer auf der Insel mit elf Millionen Einwohnern handelt.

Dazu zählt auch Fidel Castro. Der greise Revolutionsführer soll angeblich ein grosser Fan des Internets sein und surfe mehrere Stunden täglich.

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