Zeitung Heute : Künstler-Domizil

Das Haus von Edvard Munch in Warnemünde

Kai-Axel Aanderud

Edvard Munch ist Mitte 40 und bereits ein bedeutender Maler, als er im Mai 1907 auf der Suche nach einem ruhigen Ort an der See in Warnemünde eintrifft. „Er hat ein kleines Schifferhaus gemietet, eine Haushälterin engagiert und haust mit der in allen Ehren zusammen“, notiert sein Freund und Förderer, Landgerichtsdirektor Gustav Schiefler aus Hamburg. Munch genießt die Gastfreundschaft des Lotsen Carl Nielsen: „Frische Luft und gute finanzielle Bedingungen haben große Dinge vollbracht. Es geht mir viel besser, ich lebe seit dem Sommer von Haferschleim, Milch, Brot und Fisch. Ich bin wie neugeboren.“

Derart erholt, beginnt Munch 18 Monate lang, von Mai 1907 bis Oktober 1908, intensiv zu arbeiten: Er vervollständigt den Lebensfries „Das grüne Zimmer“, malt Landschaftsbilder, Portraitstudien und das Monumentalwerk „Badende Männer“. Doch die Genesung in Warnemünde ist nur vorübergehend, im Oktober 1908 reist er fluchtartig ab: „Ich habe meine sämtlichen Arbeiten in Warnemünde eingepackt und werde wohl kaum dort mehr weilen – es ist ein furchtbar bürgerlicher Ort und passt eben nicht für mich“, stellt er resigniert fest. Doch nach acht Jahren hat der Norweger die deutsche Kunst massiv beeinflusst und die Moderne geprägt.

Munchs Wirkungsstätte Am Strom 53 wurde 1990 nach dem Tod der letzten Bewohnerin und Eigentümerin Liselotte Zander unter Denkmalschutz gestellt, vom Förderverein Munch-Haus e.V. mit großzügiger Unterstützung der deutschen und norwegischen Wirtschaft sowie privater Sponsoren erworben und renoviert und 1998 unter Schirmherrschaft der Parlamentspräsidentinnen Kirsti Kolle Grøndal und Rita Süssmuth feierlich eröffnet. Kurz darauf zogen die ersten beiden Künstler aus Deutschland und Norwegen ein und sorgten für die künstlerische Wiederbelebung des Ortes. Seither stehen die Ateliers und Wohnungen Künstlern für jeweils ein bis drei Monate zu Verfügung.

„Das Haus bezaubert mit seiner besonderen Atmosphäre“, schwärmt Petra Schmidt Dreyblatt, Künstlerische Leiterin des Hauses. Es diene seither gleichermaßen der Erinnerung und der Zukunftsgestaltung, fungiere als Atelier, Forum und gemeinsame Bühne für Künstler aus Norwegen und Deutschland. „In dem kleinen Haus entsteht schnell eine besondere Vertrautheit mit Personen und Arbeiten, die auch nach der Abreise anhält“, sagt Schmidt Dreyblatt und nennt die bildenden Künstler Matthias Mansen, Markus Döhne, Petra Schönewald, Dag Erik Elgin, Ole Martin Lundby, Jeannette Christensen und Bente Geving. Komponisten wie Lars Petter Hagen, Frode Haltli, Maja Kjelstrup Ratkje und Trond Reinholdsen schrieben in Warnemünde ihre Partituren.

„Wir finanzieren die Stipendien nach wie vor ausschließlich durch Sponsorenförderung unterschiedlichster Art“, betont Schmidt Breyblatt, „Unternehmen wie VNG - Verbundnetz Gas AG in Leipzig und die Aker Yards hier in Warnemünde wie auch die Norwegische Botschaft in Berlin unterstützen uns nachhaltig, doch freuen wir uns auch über jede private Spende.“ Kai-Axel Aanderud

Edvard-Munch-Haus, Am Strom 53, 18119 Warnemünde, Telefon: (0381) 548 66 08, www.edvard-munch-haus.de

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