Zeitung Heute : Künstliche Intelligenz am Krankenbett Ein Computer erleichtert die Arbeit von Ärzten

Roland Knauer

Im Umfeld der TU Berlin haben sich zahlreiche Firmen angesiedelt, oftmals unter Leitung von TU-Absolventen. Einer davon ist Christoph Hornung. Was er und seine Kollegen bei „Mediber“ entwickeln, klingt zunächst recht abenteuerlich: „Wir stellen KI-Agenten her, die immer für den gleichen Arzt zuständig sind", sagt Hornung. Seine Firma liefert aber keine Spione für geheime Missionen im Krankenhaus. Mit dem KI-Agenten ist vielmehr ein Computerprogramm gemeint, das sich mit der Zeit immer besser an die Bedürfnisse des Arztes anpasst, der medizinische Daten seines Patienten eingeben möchte.

Die Idee hinter der Software ist schnell erklärt. Während sich ein Arzt bisher oft mit der komplizierten Dokumentation der einzelnen Behandlungsschritte herum schlägt und diese Zeit eigentlich lieber dem Patienten zugute kommen lassen würde, könnte ihm in Zukunft eine „Künstliche Intelligenz“ (KI) diese Arbeit erleichtern.

Will der Arzt zum Beispiel die Daten der soeben beendeten Untersuchung in den Laptop eingeben, tippt er auf dem Bildschirm zunächst das Feld „Untersuchungsprotokoll“ an. Weil das Programm sich die Eingaben vorheriger Untersuchungen gemerkt hat und so auch typische Verhaltensweisen des Arztes kennt, kann es ihm gleich die gewünschte Eingabemaske vorschlagen und öffnen. Das lästige Navigieren durch verschiedene Menüpunkte entfällt weitgehend.

Irrtümer sind natürlich nicht ausgeschlossen – doch daraus lernt der KI-Agent und verbessert seine Vorschläge entsprechend weiter. In der Klinik kann so ein Programm viel Zeit sparen, erkannte der Mathematiker Christoph Hornung bereits 2005 – und wagte gemeinsam mit zwei Kollegen den Schritt von der TU Berlin zur Gründung des eigenen Unternehmens. Vier Jahre später ist es soweit, in diesem Frühjahr tritt der Mediber-KI-Agent seinen Weg in die Kliniken an.

Übrigens: Mediber ist eines von mehr als 30 Unternehmen in der Branche für Informationstechnologien, die von TU-Absolventen in den vergangenen Jahren in Charlottenburg gegründet wurden. Roland Knauer

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