Zeitung Heute : „Kultur für alle Menschen erlebbar machen“ - Gespräch mit RAG-Chef Dr. Werner Müller

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Die Bewerbung „Essen für das Ruhrgebiet – Kulturhauptstadt Europas 2010“ befindet sich in der entscheidenden Phase. Seit Mitte vergangener Woche bereitet eine EU-Jury die Entscheidung vor, ob das Ruhrgebiet oder Görlitz den begehrten Titel „Kulturhauptstadt Europas 2010“ tragen wird.

Im bisherigen Wettbewerbsverlauf konnte das Revier durch seine kulturelle Vielfalt und seine visionären Projekte überzeugen. Die Energie, diese Vielfalt und Vision zu vermitteln, hat die Region nicht zuletzt aus dem finanziellen Engagement der Unternehmen gezogen. Ohne die Unterstützung der regionalen Wirtschaft wäre dieser Erfolg nicht möglich gewesen.

Dabei brachte vor allem der Essener Energie- und Chemiekonzern RAG seine Verbundenheit zum Ruhrgebiet nachhaltig zum Ausdruck. Mit der spektakulären Verhüllung der Unternehmenszentrale in Essen erlebte die Aktion „100 000 Köpfe für das Ruhrgebiet“ ihren Höhepunkt. 2500 Bürgerinnen und Bürger prangten mit jeweils 1,15 Meter hohen Porträts mehrere Wochen lang an zwei 80 Meter hohen Fassaden. Um dieses größte Fotoalbum Deutschlands entstehen zu lassen, seilten sich 28 spezialisierte Bergsteiger an den Fassaden ab.

„Es ist wichtig, dass sich auch die Wirtschaft zur Kultur bekennt. Mit dieser Aktion ist es uns gelungen, die Menschen an Rhein und Ruhr frühzeitig in die Bewerbung einzubinden. Kultur findet hier nicht hinter verschlossenen Türen statt, sondern ist für alle Menschen erlebbar“, betont der RAG-Vorstandsvorsitzende Dr. Werner Müller.

Mit einer im November 2005 gestarteten weiteren Kampagne sorgte der Konzern erneut für Schlagzeilen. 48 000 Bürgerinnen und Bürger des Reviers folgten der Einladung, Liebeserklärungen an das Ruhrgebiet zu formulieren oder zu zeichnen. Kein geringerer als der namhafte Künstler Otmar Alt hat daraufhin – inspiriert von den Einsendungen – ein neues, einzigartiges Bild des Ruhrgebiets gemalt (s.a. „Die große Liebe zum Ruhrgebiet“).

Für den Initiator der beiden außergewöhnlichen Aktionen macht das Engagement der Menschen im Ruhrgebiet deutlich, dass sie hinter der Bewerbung zur Kulturhauptstadt 2010 stehen. „Sie wird von ihnen getragen und mitgetragen. Dieses Engagement, diese Dynamik und Begeisterungsfähigkeit einen das Revier“, stellt Müller fest.

Kulturelles Engagement von Unternehmen werde, so der Konzernchef, heute gerne unter dem Begriff „Kultursponsoring“ als reine Marketingmaßnahme der Wirtschaft betrachtet. Doch für Müller ist es weit mehr: „Es ist Ausdruck unseres Selbstverständnisses, dort nachhaltig Werte zu schaffen, wo wir Zuhause sind. Wir fühlen uns dem Land Nordrhein-Westfalen und speziell dem Ruhrgebiet aus unseren historischen Wurzeln heraus tief verbunden. Wir beschäftigen allein in NRW über 60 000 Menschen, die hier gerne leben und arbeiten. Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, diese Region weiter voranzubringen und für das Ruhrgebiet neue Perspektiven mitzuentwickeln.“

Das Ruhrgebiet, so Müller, verfüge über eine kulturelle Vielfalt, „um die uns nahezu alle europäischen Metropol-Regionen beneiden“. So würden Freunde und Kenner klassischer Musik und des Schauspiels von weit her nach Essen, Bochum oder Dortmund reisen, um sich an der herausragenden Qualität der Programme an den Theatern oder Philharmonien zu erfreuen.

„Diese Kulturlandschaft ist einzigartig. Wir dürfen stolz darauf sein und sollten alles daran setzen, sie zu bewahren. Deshalb hat sich die RAG zwischenzeitlich zu einem der wichtigsten Kulturförderer der Region entwickelt, um dem vom Strukturwandel geprägten Revier zwischen Ruhr, Emscher und Lippe zukunftsorientierte Impulse der Erneuerung zu geben“, betont der Konzernchef.

Ein besonderes Glanzlicht bei ihren kulturellen Engagements setzte RAG mit der Welturaufführung von Felix Mendelssohn-Bartholdys Oper „Der Onkel aus Boston“ in der Neuen Philharmonie in Essen. Mehr als 3 000 Bürgerinnen und Bürger der Region verfolgten auf Einladung des Unternehmens die konzertante Uraufführung der Oper durch die Internationale Bachakademie unter Leitung von Professor Dr. Helmuth Rilling.

Schon seit Ende des Zweiten Weltkriegs unterstützt das Unternehmen die Ruhrfestspiele in Recklinghausen, deren größter Geldgeber es neben der Stadt Recklinghausen, dem DGB und dem Land NRW ist. Damals galt es, Kohle zum Beheizen der Spielstätten zu liefern gemäß dem Motto: Kunst für Kohle, Kohle für Kunst.

Von Anfang an ist die RAG der RuhrTriennale verbunden. Unter der Intendanz von Gerard Mortier ist in den Stätten der Industriekultur ein avantgardistisches Festival entstanden, das auf dem europäischen Festspielkalender längst einen festen Platz hat und ein Alleinstellungsmerkmal besitzt. Auch unter dem neuen Intendanten Jürgen Flimm fördert der Essener Konzern die RuhrTriennale.

Als klingende Visitenkarte des Ruhrgebiets hat sich das Klavier-Festival Ruhr etabliert. Die „Pianisten-Olympiade“ in dieser Region ist ein glänzendes künstlerisches Ereignis. Die Zahl der Besucher hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt, der jährliche Anteil an Sponsorengeldern verfünffacht. Auch diesem Festival für Liebhaber klassischer Musik und für Freunde zeitgenössischer Komponisten ist die RAG ein wichtiger Partner.

Für Müller gibt es keinen Zweifel: „Wo aus Waschkauen Tanzbühnen und aus Kokereien Ausstellungshallen werden, wo stillgelegte Industrieanlagen Kunst und Design Raum geben und wo innerhalb kurzer Zeit exzellente Konzernhäuser entstehen, da kann es um das kulturelle Selbstbewusstsein einer Region nicht schlecht bestellt sein. Umso mehr freut es uns, dass wir hierzu einen gewichtigen Beitrag zur Bereicherung der Kulturlandschaft im Ruhrgebiet leisten können.“

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