Zeitung Heute : Kultur & Entertainment Anspruchsvoll und preisgekrönt

Die Gebrüder Beetz realisieren Filme, die nichts verschweigen

 Katja Gartz

Bühne frei. Die Kultur des Machens – das gehört zu Berlin, der Stadt,

„wo das Leben einen anspringt“, wie der weltweit erfahrene Macher

und Unternehmer Roland Berger vor wenigen Tagen lobte. New York

und Hollywood, das sind inzwischen die Städte, mit denen sich Berliner Künstler selbstbewusst messen, ob in der Oscar-Schmiede in Babelsberg oder in der trendsetzenden Musik-Szene. Mit dem Aufschwung des Tourismus in Berlin einher geht auch der Erfolg von Theatern oder Musicalbühnen. Auch für beherzte Unternehmer, die etwa ein uraltes Kino vor dem Verfall retten und wieder zum Publikumsmagnet machen, ist in Berlin Raum. Wer Ideen hat, für den ist die Bühne frei.

„Wir wachsen kontinuierlich, beim Umsatz und personell. Wir profitieren von dem kreativen Potenzial in Berlin. Denn hier gibt es viele Leute, die auch für Lebensinhalte und nicht nur für Geld arbeiten wollen.“

Christian Beetz,

Geschäftsführer Gebrüder Beetz Filmproduktion

Christian Beetz glaubt, dass sich künftig mehr Menschen für gesellschaftskritische Themen interessieren werden. Vermutlich macht das der Filmemacher auch aus Kalkül. Denn derartige Themen liegen dem Geschäftsführer der Gebrüder Beetz Filmproduktion besonders am Herzen. Gemeinsam mit seinem Team setzt er sie in anspruchsvollen Dokumentarfilmen für das öffentlich-rechtliche Fernsehen um.

Seine Filme erzählen von polnischen Familien, die sich im deutsch-polnischen Grenzgebiet Häuser kaufen und ihr Glück suchen, von Bewohnern Afrikas, die von einer Zukunft in Europa träumen und von unbekannten kriegerischen Geheimoperationen des US-amerikanischen Geheimdienstes CIA in Laos – 30 Jahre nach dem Vietnamkrieg. Porträts von Künstlern, beispielsweise dem Maler Daniel Richter, und von Musikern, darunter Blixa Bargeld von den Einstürzenden Neubauten und Patricia Kaas, sowie Beträge für das Arte-Kulturmagazin Metropolis wurden ebenfalls von Beetz produziert.

Zum Film kam Christian Beetz über die unbewegten Bilder. „Ich habe früh angefangen, zu fotografieren und später damit auch mein Studium finanziert.“ Davor trieben ihn die Schicksale der Bürgerkriegsflüchtlinge in El Salvador um. Beetz lernte spanisch und ging mit 22 Jahren für ein halbes Jahr nach Südamerika, wo er auch bei einem Filmteam mitarbeitete.

Nach einigen Beiträgen für Kulturmagazine zog es den Kulturwissenschaftler zu längeren Filmen. Er tat sich mit seinem Bruder, der die Filmhochschule in Hamburg besucht hatte, zusammen. Sie besuchten Filmfestivals, internationale Märkte und schauten sich an, wie andere Produktionen arbeiten. „Der Anfang war nicht einfach“, sagt der 40-Jährige. Schwierig sei es vor allem gewesen, Sender zu finden, die ihre Themen realisieren wollten. Sie schrieben rund 60 Faxe und hielten ein halbes Jahr mithilfe von Freunden durch. „Das musste einfach funktionieren“, erzählt Christian Beetz, der heute über seinen eigenen Dickschädel lachen kann. Er behielt Recht: Im Auftrag des WDR produzierten sie einen 60-minütigen Film, dessen Handlung sich um den berühmtesten ungelösten Serienmord Amerikas, den „Zodiac-Fall“, dreht. Damit war der Durchbruch 2003 geschafft und die Gebrüder Beetz Filmproduktion befand sich auf Erfolgskurs. Die Filme wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Der Dokumentarfilm „FC Barcelona - das Jahr der Entscheidung“ etwa erhielt 2006 den Adolf-Grimme-Preis Spezial als herausragendes Beispiel für kritische Hintergrundberichterstattung im Sport. Die Dokumentation „Zwischen Wahnsinn und Kunst – Die Sammlung Prinzhorn“ gewann vergangenes Jahr den Grimme-Preis.

Heute ist die Gebrüder Beetz Filmproduktion außer in Berlin auch in Hamburg und Köln ansässig. Neben 20 festen Mitarbeitern gehören auch freie Autoren und Filmemacher zum Team. Parallel sind derzeit 50 Filmprojekte in der Entwicklung. Nicht nur die Bürofläche hat sich seit den Anfängen in Kreuzberg vervielfacht. „Wir wachsen kontinuierlich weiter, sowohl beim Umsatz als auch personell“, sagt Beetz. Der stärkste Produktionsstandort ist Berlin. „Wir profitieren von dem kreativen Potenzial, hier gibt es viele Leute, die auch für Lebensinhalte und nicht nur für Geld arbeiten“, sagt der Produzent, Regisseur und Autor. Sein Ziel ist, mehr Jugendliche und junge Erwachsene zu erreichen.

Um dem Ziel ein Stück näher zu kommen, produzieren die Gebrüder Beetz bereits seit September zusammen mit dem WDR ein innovatives TV-Format für Lebenskultur namens „Einsweiter - Magazin für Veränderung“ auf dem digitalen Kulturkanal EinsFestival. „Auch Jugendliche interessieren sich für ihre Umwelt und die Wirtschaftskrise“, sagt Beetz. Aber sie würden beispielsweise kein Politikbarometer sehen, weil sie im Internet authentischere und weniger abstrakte Informationen finden. Deshalb wollen die Filmemacher ihre Themen künftig für verschiedene Medien umsetzen. Katja Gartz

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