Zeitung Heute : Kulturbrauerei hat keine Doppelspitze mehr

Der Tagesspiegel

Die Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg kommt nicht zur Ruhe. Nach den ständigen Querelen um das Kesselhaus und eine drohende Pleite des sozio-kulturellen Projektes hat nun die Gesellschafterversammlung der erst im Oktober letzten Jahres berufenen Geschäftsführerin Karin Baumert fristlos gekündigt. Die Kündigung erhielt die Geschäftsführerin am Freitag per Fax. Zuvor war sie schon mündlich auf einer Gesellschafterversammlung ihres Postens enthoben worden.

Baumert sieht sich vor allem von zwei Seiten bedrängt. Zum einen von ihrem Amtsvorgänger Stefan Weiß. Zum anderen von ihrem ehemaligen Ko-Geschäftsführer Thomas Wohlfart, der jetzt die Aufgabe allein wahrnimmt. Architekt Weiß ist der Generalauftragnehmer der in diesem Jahr beginnenden Sanierung der Kulturbrauerei, wofür insgesamt 2,5 Millionen Euro zur Verfügung stehen. „Er hat sich nicht damit anfreunden können, dass ich meine Aufgabe als Bauherrin sehr ernst nahm“, sagte Baumert. Und Wohlfart, der gleichzeitig auch der Leiter der Literaturwerkstatt ist, habe es von Anfang an darauf angelegt, sie aus dem Amt zu drängen.

Wohlfart kontert mit dem Vorwurf, dass Baumert ihre Aufgaben nicht zur Zufriedenheit der Gesellschafter erfüllt habe. „Es sagt doch eine Menge aus, wenn man schon nach fünf Monaten wieder entlassen wird.“ Baumert habe nicht einmal einen Wirtschaftsplan vorlegen können. Inzwischen hat die Senatskulturverwaltung die Subventionen für das Projekt ausgesetzt. Man warte ab, bis man Klarheit über die Situation der Kulturbrauerei habe. Von einem totalen Stopp der Zuwendungen könne aber keine Rede sein, so Geschäftsführer Wohlfart. Es stehe Geld zur Verfügung, um einen Wirtschaftsprüfer die Finanzlage der Kulturbrauerei feststellen zu lassen. Außerdem könne man eine Buchhalterin weiter beschäftigen. Morgen will der Geschäftsführer seine Pläne vorstellen, mit denen die Kulturbrauerei endlich in ruhigeres Fahrwasser gelangen soll.

Baumert will sich gegen die Kündigung wehren. „Die Gründe rechtfertigen keine fristlose Entlassung.“ Schließlich habe sie überdurchschnittlich viel für die Kulturbrauerei gearbeitet.Ingo Bach

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