KUNST UND DISKUSSION„Former West“ : Neue Haltung gesucht

Die osteuropäischen Länder erfanden sich nach dem Mauerfall und dem Zusammenbruch des Kommunismus 1989 als „ehemaliger Osten“ neu. Im Westen hingegen habe man sich keineswegs von den „Protokollen und Beziehungen des Kalten Krieges“ entfernt. Von dieser Beobachtung ausgehend werfen das Haus der Kulturen der Welt (HKW) und das niederländische Kunstinstitut BAK die Idee von „Former West“, dem ehemaligen Westen, in den Ring. Was bedeutet es, wenn die Überlegenheit des Westens nicht mehr gilt? Was lernen wir aus den Krisen der letzten 20 Jahre für die Zukunft? Und kann die Kunst helfen, neue Ideen zu generieren?

Unkonventionelle Fragen erfordern unkonventionelle Konzepte, deshalb wollten die Macher weder eine Ausstellung noch eine Tagung veranstalten. Im HKW, übrigens ein gebautes Sinnbild für „Former West“, verteilen sich Kunstwerke, Installationen, Gespräche, Lectures und Performances im ganzen Haus. In der Ausstellungshalle wird etwa Christoph Schlingensiefs Containerlager „Ausländer raus“, das er 2000 vor der Wiener Staatsoper installierte (Foto), wieder aufgebaut. Es gibt Videos von Neuerfindern des Bewegtbilds wie Phil Collins, James Benning, Sharon Lockhart oder Chen Chieh-jen. Spannend sind die zahlreichen Lecture Performances, zumindest wenn sie so klug und witzig sind wie die von Hito Steyerl am vergangenen Montag über „Massenkunstproduktion“. Noch bis Sonntag gibt es Programm satt: Der angolanische Künstler und Slam- Poet Nastio Mosquito singt und schimpft über vergangene Afrika-Ausstellungen des HKW. Das russische Kollektiv Chto Delat performt zum Verschwinden des Kommunismus. Birgit Rieger

Haus der Kulturen der Welt, John-Foster-Dulles-Allee 10, bis So 24.3., Infos unter www.hkw.de

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar