KUNSTARCHIV BEESKOW„Role Models!“ : Mutti geht arbeiten

Während Werbung und Medien andauernd Frauenbilder ausspucken, die die öffentliche Meinung darüber formen, wie Frauen sind und sein sollen, wird die zeitgenössische Malerei selten auf ihre Frauenbilder hin untersucht. Die Düsseldorfer Kuratorin Claudia Jansen hat das nun mit dem Kunstarchiv Beeskow getan, in dem sich ausschließlich Kunstwerke befinden, die vor 1989 den Parteien, Massenorganisationen und Staatsorganen der DDR gehörten.

Die Bilder hingen also zu DDR-Zeiten in den Erholungsheimen, Schulungszentren, Gästehäusern oder Speisesälen Ostdeutschlands, „offiziell“ geeignet, die DDR-Bürger zu erbauen und ihnen Spiegel und Vorbild zu sein. Oder? Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Die gemalten und gezeichneten „Role Models“ der ehemaligen DDR sind nicht nur Propaganda, sondern auch Ausdruck einer Wirklichkeit. Etwa, die Frau, die in allerhand Berufen tätig ist: eine Kraftwerkerin mit Bauhelm von Horst Bahr, eine Frau an einem Fluoreszenzmikroskop (Foto) von Peter Rohn oder auch eine „Junge Frau“ mit Farbpalette und Pinsel, das Selbstportrait einer Studentin an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Aber warum griffen manche Künstler zum mythologischen Kassandra-Motiv, der unglücksseligen In-die-Zukunft-Seherin, der niemand glauben wollte? Erotik kommt im Bestand des Beeskower Kunstarchivs übrigens kaum vor. Einzig ein Bild von Jürgen Schieferdecker, Professor an der TU Dresden, zeigt nackte Haut, die Zeichnung befand sich in einer Mappe zum Jahrestag der Liberal-demokratischen Partei Deutschlands (LDPD), einer gleichgeschalteten Blockpartei der SED.Birgit Rieger

Kunststiftung Poll, Sa 19.5., 17-19 Uhr (Eröffnung), Di 22.5. bis Di 31.7., Di-Sa 15-18 Uhr

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