KUNSTINDUSTRIE„Jugendstil-Schmuck aus Pforzheim“ : Schmetterlinge im Haar

Eva Kalwa

Kunst soll dekorativ, populär und günstig sein: So wollte es die Jugendstilbewegung um 1900. Blumen, Blätter und Tiergestalten wanderten auf Häuserfassaden, hielten Einzug in Wohnzimmer und schmückten auch die Handgelenke und Hälse der Damen. Damit sich eben nicht nur Reiche modischen Schick aus Paris leisten konnten, mussten Armreifen und Colliers erschwinglich werden: So begann mit dem ersten industriell hergestellten Modeschmuck die „Demokratisierung des Luxus“ (Le Figaro).

Die Geburtsstunde der modernen Schmuckindustrie schlug in Pforzheim. Noch heute werden dort 75 Prozent des deutschen Schmucks produziert. Die Ausstellung „Jugendstil-Schmuck aus Pforzheim – Kunstindustrie um 1900“ zeigt die Anfänge der seriellen Fertigung. Insgesamt 180 Leihgaben aus dem Schmuckmuseum Pforzheim sowie Entwurfszeichnungen von Georg Kleemann, dem einzigen deutschen Professor für Bijouterie-Zeichnen, zeugen von der Formenvielfalt der Anhänger, Zierkämme und Broschen. Fauna- und Floradekors waren ebenso gefragt wie geometrische Muster. Die Bijouterie von Theodor Fahrner arbeitete dafür eng mit den Künstlern der Darmstädter Mathildenhöhe zusammen, dem deutschen Zentrum des Jugendstils.

Den Produktionsprozess verdeutlichen die von der Abteilung „Manufakturelle Schmuckproduktion“ und der Arbeitsgruppe „Schmuck verbindet“ des Deutschen Technikmuseums Berlin zur Verfügung gestellten technischen Gerätschaften. Mit ihrer Hilfe landeten plötzlich allerorten bunte Schmetterlinge auf glücklichen Damen. Eva Kalwa

Bröhan-Museum, Fr 22.2. bis So 4.5., Di-So 10-18 Uhr, 5 €

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