Zeitung Heute : Kurskorrekturen bei der „FAZ“

Der Tagesspiegel

Der Verlag der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung" hat im vergangenen Jahr einen „bislang nie erlebten“ Umsatz- und Ergebniseinbruch erlitten. Dies sagte Jochen Becker, Vorsitzender der FAZ-Geschäftsführung, am Mittwoch auf einer Gesellschafterversammlung. Wegen der Anzeigenflaute sei auch 2002 mit einem Defizit zu rechnen. Becker kündigte daher „Kurskorrekturen“ an.

Die Umsatzerlöse sanken um 22,5 Prozent auf 414,7 Millionen Euro, die Anzeigenerlöse um 28 Prozent auf 305,2 Millionen Euro. Die Vertriebserlöse stiegen zwar um 3,5 Prozent auf 97 Millionen Euro. Dies geschah allerdings durch eine Preiserhöhung, nicht aber durch eine maßgebliche Steigerung der Auflage. Sie sei mit durchschnittlich 405 624 Exemplaren (plus 0,1 Prozent) erneut hinter den Erwartungen zurückgeblieben, sagte Becker. Erfreulich entwickle sich die im September gestartete „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung": Sie habe mit einer Durchschnittsauflage von 247 835 Exemplaren „das erste Etappenziel“ erreicht.

Schon seit längerem macht die „FAZ“ mit Sparmaßnahmen von sich reden. Das betrifft nicht nur die Tatsache, dass neue Redakteure keinen Anspruch auf einen Dienstwagen haben. Auch bei den Umfängen wird gespart. So werden die „Berliner Seiten“ eingedampft, die englischsprachige „FAZ“-Beilage in der „International Herald Tribune“ steht auf der Kippe, das Anzeigenblatt „Sunny“ wurde eingestellt. Zuletzt gab es Diskussionen um den von Herausgeber Frank Schirrmacher gewünschten Umzug des 25-köpfigen Feuilletons von der Main-Metropole in die Hauptstadt. Zunächst wurde dies mit der Rolle Berlins, aber auch mit Kostenersparnissen begründet. Mit derselben Begründung wurde das Projekt wenige Tage darauf wieder abgeblasen. Intern wird dies als Machtverlust Schirrmachers interpretiert.

Becker sagte am Mittwoch, Kurskorrekturen seien unumgänglich. Alle Bereiche müssten sich „dem Primat der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit unterordnen“. usi

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