Zeitung Heute : Kurz vor dem Anpfiff Jimi Hendrix Philipp Köster hält sich im Stadion die Ohren zu

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Musik für größere Menschenmengen zu machen, ist eine undankbare Aufgabe. Weiß ich spätestens, seit ich mal bei der Hochzeit eines Freundes für die abendliche Tanzmusik zu sorgen hatte. Nach einer halben Stunde voller Perlen des Hardrocks waren plötzlich alle Gäste in der Raucherpause im Garten, und die Braut schielte ständig böse zu mir herüber. Man kann es eben nicht allen recht machen.

Dennoch muss die Frage erlaubt sein, wer eigentlich die Musik während der WM-Spiele im Olympiastadion aussucht? Denn in einer Endlosschleife werden uns immer wieder die gleichen fürchterlichen Songs um die Ohren gehauen, Grönemeyer, Volare, Gypsi Kings, Go West, alles zehnmal hintereinander, unterlegt von wummerndem Bummbumm-Beat, der nur in sächsischen Großraumdiskotheken für Ekstase sorgen würde.

Nun heißt es immer, dass komplette Musikprogramm sei von der Fifa ausgesucht worden. Muss man sich das so vorstellen, dass der Fifa-Oberchef Sepp Blatter vor dem Turnier mal die Platten seiner Tochter durchgehört hat und sich bei verschiedenen Songs eifrig Notizen gemacht hat, „Das fetzt“ bei „Volare“ und „Geht ja gar nicht“ bei „Tokio Hotel“?

Damit wir uns nicht falsch verstehen. Kann ja niemand wollen, dass im Olympiastadion plötzlich die musikalische Demokratie ausbricht. Sonst drängeln sich plötzlich vor der Sprecherkabine die Zuschauer, die sich unbedingt einen Titel wünschen wollen. Und spätestens, wenn dann kurz vor Anpfiff ein seltener Remix von Jimi Hendrix’ Gitarrensolo beim Auftritt in Woodstock durch die Lautsprecher gejagt wird, wünschen wir uns insgeheim, dass der Stadion-DJ zum Altbewährten zurückkehrt. Volare, oho!

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