Zeitung Heute : Kurzmeldungen

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Von Anke Dörrzapf

Der Urlaub tut uns gut: In einer Umfrage im Auftrag der Deutschen Angestellten-Krankenkasse behaupteten im vorigen Jahr 81 Prozent, sie hätten sich gut erholt. Das war auch dringend nötig, denn 74 Prozent der Befragten hatten zuvor erklärt, die Ferien vor allem dazu nutzen zu wollen, Stress abzubauen. Nur: Wie schafft man es eigentlich, dass die Urlaubs-Entspannung nicht gleich nach den ersten Arbeitstagen verpufft und man wieder vollkommen erledigt ist, wenn die nächsten Ferien beginnen?

Was wir da im Büro treiben, ist nicht wirklich gesund: Wir sitzen stundenlang auf einem Stuhl, arbeiten unter Zeitdruck, essen deshalb viel zu schnell und richten unsere Augen ohne Unterbrechung auf einen Bildschirm. „Der Mensch ist nicht dafür geschaffen, zehn Stunden lang an demselben Platz zu sitzen“, erklärt Birgit Seidl-Fabian vom Institut für Arbeitsphysiologie in Dortmund. Bewegung tut also Not, doch der Vorsatz allein, sich im Büro mehr zu bewegen, reicht nicht aus. Deshalb rät Seidl-Fabian, die Bewegung mit einer konkreten Tätigkeit zu verbinden. „Telefonieren zum Beispiel kann man ruhig auch im Stehen“.

Dass Büroarbeit nicht nur ungesund ist, sondern langfristig auch hohe Kosten verursachen kann, haben mittlerweile viele Arbeitgeber erkannt: 60,4 Milliarden Mark betrugen die volkswirtschaftlichen Kosten durch Krankheit im Jahr 2000. 49 Prozent aller Fehltage waren auf Langzeitkrankheiten zurückzuführen wie Muskel- und Skelettkrankheiten. Die Bundesdruckerei zum Beispiel will ihren Mitarbeitern deshalb Rückenschulen anbieten. „Vorbeugen ist günstiger, als später die Kosten wegen Arbeitsausfall tragen zu müssen“, sagt Sandra Heinzelmann von der Bundesdruckerei.

Andere Unternehmen versuchen, bereits mit der richtigen Möblierung für Entspannung zu sorgen: Bei „Universal Music“ sitzen die Mitarbeiter in den Pausen auf den Barhockern der Espressobars oder auf Sesseln in den Lounges. Einige Angestellte bringen sogar einen Flipper-Automaten mit. Für den stressfreien Alltag sorgt ein Service-Center, in dem man morgens seine Hemden zum Bügeln abgibt.

Wie das Büro der Zukunft aussehen sollte, erforscht das Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation in Stuttgart. „Der Trend geht vom Großraumbüro weg“, sagt Institutssprecher Oliver Korn. Allerdings sei auch das Einzelzimmer nicht immer sinnvoll. „In Zukunft wird man zwischen verschiedenen Schreibtischen wechseln – je nach Projekt, an dem man gerade arbeitet“. Bei Teamentscheidungen sitzt man mit mehreren Kollegen in einem Zimmer, an Tagen, an denen man viel telefonieren muss, zieht man wiederum in einen Einzelraum um. „Die Atmosphäre ist dadurch relaxter, und wer viel besprechen muss, stört die anderen nicht“. Ihr Material ziehen die Angestellten in Caddy-Wagen hinter sich her, das Telefon lässt sich an jeden neuen Arbeitsplatz mitnehmen.

Die Hauptursache für Nacken-Verspannungen ist aber weder der Lärm im Großraumbüro noch der fehlende Flipper. „Es gibt Leute, die sitzen auf einem 1000-Euro-Stuhl und klagen trotzdem über Beschwerden“, erklärt Seidl-Fabian. Schuld sei der Stress. Viele Büroangestellte hätten mit den Lendenwirbeln oder mit der Verdauung Probleme, die psychosomatisch bedingt sind. „Permanent 100 Prozent zu geben, hält einfach niemand durch“. Dagegen hilft nur Mut: um „Nein“-sagen zu können, Aufträge abzulehnen oder das Handy auszuschalten. Heimarbeit ist dabei besonders anstrengend, vor allem wenn die kleine Tochter ständig die Arbeit unterbricht. Stressfrei funktioniert das nur mit einem eigenen Arbeitszimmer und einer Aufsicht für das Kind.

„Völlige Entspannung tut aber auch nicht immer gut, weil man dann keine Leistung bringen kann“, sagt Christine Busch, Arbeitspsychologin an der Universität Hamburg. Klaus Scheuch, Direktor am Institut für Arbeits- und Sozialmedizin der TU Dresden, ergänzt: „Stress entsteht auch, wenn man sich unterfordert fühlt“. Immerhin 40 Prozent der Arbeitsplätze, so Scheuch, zeichnen sich durch einen monotonen Ablauf aus. „Und weil man nicht gefordert ist, neigt man sogar dazu, noch mehr Fehler zu machen.“ Es komme eben auf die richtige Balance zwischen Spannung einerseits und Entspannung andererseits an. Am besten passt man die Arbeitszeiten an den Biorhythmus des Menschen an: Zwischen 9 und 11 Uhr hat man eine Hochphase, in der Zeit von 13 bis 14 Uhr 30 kommt ein kleines Konzentrationstief – dann erledigt man am besten Routinearbeiten, poliert die Datenbank auf oder liest die Post. Am frühen Nachmittag beginnt dann wieder eine Powerphase. „Wir erleben ständige Rhythmus-Wechsel: Tag und Nacht, die Jahreszeiten“, erklärt Scheuch. „Und genauso sollten wir auch die Arbeit gestalten, wenn wir entspannt und trotzdem erfolgreich arbeiten wollen.“

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