Zeitung Heute : Kurzmeldungen

Christoph Koch

Wenn Du einen Freund willst, schaff Dir einen Hund an!“, weist Michael Douglas als Börsenhai Gordon Gekko den jungen Charlie Sheen im Filmklassiker „Wall Street“ zurecht, um diesem die Unerbittlichkeit und Einsamkeit des Geschäfts zu verdeutlichen. „Wenn du gesund bleiben willst - tu dasselbe“, könnte man hinzufügen, denn Haustierbesitzer leben gesünder, das glauben jedenfalls zahlreiche Wissenschaftler bewiesen zu haben.

So senken Haustiere beispielsweise den Blutdruck und setzen Glückshormone frei, wie Karen Allen in einer Studie der State University of New York feststellte. In einem Experiment ließ sie 240 Personen Rechenaufgaben lösen und ihre Hände in einen Kübel mit Eiswasser halten. Die Hälfte der Teilnehmer, die einen Hund oder eine Katze besaßen, wiesen in der simulierten Stresssituation deutlich niedrigeren Blutdruck und Herzfrequenz auf, als die 120 übrigen Probanden. In Anwesenheit ihres Lieblings lösten die Haustierbesitzer die Aufgaben sogar besser als der Durchschnitt - ein Effekt, der sich interessanterweise nicht einstellte, wenn ihr Partner ihnen zur Seite stand. Dessen Anwesenheit führte bei den Versuchspersonen sogar zu einem erhöhten Stresslevel. Für Karen Allen ist der um bis zu 40 Prozent erhöhte Blutdruck ein Indiz, dass sich Menschen durch ihren Partner unter Druck gesetzt fühlen und mehr Angst haben, bei dem Test schlecht abzuschneiden. Ein Tier hingegen, das seinem Besitzer treu ergeben ist und nie Kritik üben würde, bewirke diese Unsicherheit offensichtlich nicht.

Weniger Kopfschmerzen

Auch australische Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass Besitzer von Haustieren weniger gesundheitliche Probleme haben und ein geringeres Risiko aufweisen, einen Herzinfarkt zu erleiden. Mehr als 5000 Patienten einer Spezialklinik für Herzkranke wurden untersucht, und es zeigte sich, dass die knapp 800 Haustierhalter deutlich geringere Cholesterinwerte und einen niedrigeren Blutdruck aufwiesen als die üblichen Patienten. In einem anschließenden Experiment wurden ein Drittel der Patienten mit einer Katze, ein Drittel mit einem Hund ausgestattet und ein Drittel blieb solo. Während der Zustand der letzten Gruppe unverändert blieb, klagten die beiden Gruppen mit tierischer Gesellschaft in den folgenden zehn Monaten seltener über Schlafstörungen, Erkältungen, Kopfschmerzen und andere alltägliche Gesundheitsprobleme als zu Beginn der Untersuchung.

Gut fürs Selbstwertgefühl

Der Grund dafür liegt nach Meinung der Forscher in der positiven Wirkung, die Haustiere auf die Psyche des Menschen haben. Die Zuneigung der Tiere, die Kommunikation zwischen Mensch und Tier, das Kuscheln und Streicheln erhöhen nicht nur das Selbstwertgefühl der Besitzer, sondern auch die Fähigkeit, sich zu entspannen und Stress besser zu bewältigen. All das resultiert letztlich in einer besseren körperlichen Konstitution und längeren Lebenserwartung. Wer nach einem frustrierenden und hektischen Herbsttag im Büro durchnässt und schlecht gelaunt nach Hause kommt, vergisst Stress und Ärger schneller, wenn er eine halbe Stunde mit seinem geliebten Haustier spielt, als wenn er einfach nur den Fernseher einschaltet, um die „Tagesschau“ zu sehen.

Dass Haustiere sogar Kosten im Gesundheitswesen sparen können, hat die University of British Columbia in Vancouver nachgewiesen: Hunde- oder Katzenbesitzer nehmen nicht nur weniger Medikamente und gehen seltener zum Arzt als Menschen ohne Haustiere, sondern bleiben im Krankheitsfall auch kürzer in der Klinik.

In Deutschland gab es 2001 rund 22,2 Millionen Haustiere, 3,3 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Etwa jeder dritte Haushalt beherbergt welche, am beliebtesten sind nach wie vor Hunde und Katzen. US-amerikanische Trendforscher gehen davon aus, dass die Bedeutung von Haustieren in Zukunft aufgrund der zunehmend bröckelnden Familienstrukturen und der steigenden Zahl von Singles und kinderlosen Paaren zunehmen könnte. Um markante Worte selten verlegen, haben sie dem Phänomen bereits einen klangvollen Namen gegeben: „Heavy Pet-ting“.

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