Zeitung Heute : Kurzmeldungen

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STREITPUNKT 2:

Der Terror

Amerikaner, Israelis, Jordanier und auch Palästinenser waren in Akaba um über den Terror zu diskutieren und nach vorbereiteten Texten diesen zu verdammen, seine Bekämpfung zu fordern und zu versprechen. Nur diejenigen, denen die zahllosen Worte galten, waren natürlich nicht vor Ort: Die Terroristen, ob radikale Islamisten oder extreme Nationalisten, und Palästinenserpräsident Jassir Arafat, der sie gewähren lässt oder gar dazu ermuntert.

Zwar spricht der palästinensische Ministerpräsident Mahmud Abbas von einer unmittelbar bevorstehenden Übereinkunft mit den HamasIslamisten über eine längere Feuerpause. Doch diese wird erstens zeitlich begrenzt sein, zweitens wohl auch in ihrem Umfang, und drittens dürfte sie auch nicht den extremistischen Islamischen Dschihad einschließen.

Selbst wenn Abbas wirklich will – was ihm sogar die Israelis zubilligen – und sein Sicherheitsminister Mohammed Dahlan tatsächlich seine Ankündigungen wahr macht – was ihm auch die Israelis zutrauen – so bedeutet dies noch lange nicht das Ende des Blutvergießens. Und wo liegt die Grenze zwischen dem von Abbas verdammten Terror und der von ihm angekündigten Fortsetzung des berechtigten Widerstandes gegen die Besetzung? Zudem: Wenn Israel von Terror spricht, dann meint es ausschließlich den palästinensischen jeder Couleur, der vollkommen gestoppt werden müsse. Doch die Palästinenser reden auch vom „staatlichen Terror“ und meinen damit vor allem Israels Vergeltungsschläge und Strafmaßnahmen. Und die Siedler schließen sie gleich mit ein. Der Terror im Nahen Osten ist eine Ansichtssache, die vom Standpunkt des Betrachters abhängig ist – und Terror ist demnach keine Einbahnstraße, wie Israel ihn darstellt.

Unter der Annahme, dass Scharon seinen offiziellen Sicherheitskräften Stillhalten befiehlt – obwohl er in der letzten Zeit wiederholt von seiner Entschlossenheit sprach, alle seiner Meinung nach zur Sicherheit von Staat und Bürger notwendigen Aktionen auch in Zukunft anzuordnen: Wie muss man sich die Bekämpfung der militanten Siedler durch die israelische Armee oder den Schabak-Sicherheitsdienst vorstellen, ohne dass Scharon das Risiko bürgerkriegsähnlicher Zustände riskiert? Exakt die gleiche Frage muss an die palästinensische Adresse gestellt werden: Wie können Islamischer Dschihad und undisziplinierte Gruppierungen innerhalb von Hamas aber auch den Gehorsam verweigernde Al-Aksa-Kommandos entwaffnet werden, ohne dass in den Straßen von Gaza und Ramallah, den Gassen der Flüchtlingslager im Gaza-Streifen und im Westjordanland Blut fließt?

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