Zeitung Heute : Kurzmeldungen

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Deutschland ächzt unter der hohen Arbeitslosigkeit. Rund 4,26 Millionen Menschen waren im Juni ohne einen Job – und eine schnelle Besserung ist nicht in Sicht. Wenn ArbeitsamtsChef Florian Gerster an diesem Mittwoch aus Nürnberg die neusten Statistiken vom Arbeitsmarkt verkündet, könnten es schon 4,33 Millionen Arbeitslose sein. Die Angst vorm Arbeitsplatzverlust treibt heutzutage viele Menschen um: von der Verkäuferin bis zu ihrem Vertriebsleiter. Nicht nur die Konjunkturflaute sei an der hohen Massenarbeitslosigkeit Schuld, sagen Arbeitsmarktexperten, sondern auch die verkrusteten Strukturen auf dem Arbeitsmarkt. Unternehmer stöhnen über die deutsche Regelungswut: Wenn etwa der Kündigungsschutz gelockert werde, argumentieren die Arbeitgeber, dann seien sie im Aufschwung auch eher bereit, mehr Leute einzustellen, weil sie diese dann in schlechten Zeiten auch schneller wieder loswerden könnten.

Unzufrieden sind viele Unternehmer außerdem mit dem Service der Bundesanstalt für Arbeit. Die Arbeitslosen, die das Arbeitsamt vermittelt, seien häufig für den Job nicht geeignet, klagen die Arbeitgeber. Ein Grund dafür, dass sie ihre offenen Stellen zu einem großen Teil gar nicht erst melden. Kein Wunder, denn viele der rund 90 000 Mitarbeiter der Bundesanstalt sind nicht damit beschäftigt, Arbeitslose zu vermitteln und intensiven Kontakt zu den Arbeitgebern zu halten. Sie müssen stattdessen aufwändig berechnen, wie viel Arbeitslosengeld den einzelnen Empfängern zusteht. Lange Zeit blieb das verborgen, weil die Vermittlungsstatistiken geschönt wurden – ein Skandal, der im Frühjahr 2002 Politik und Öffentlichkeit wach rüttelte. Die Folge: Der damalige Behördenchef Bernhard Jagoda musste seinen Hut nehmen – und die Politik beschloss, die Bundesanstalt komplett umzubauen: Die Arbeitsämter sollten künftig Arbeitslosigkeit nicht mehr verwalten, sondern ihre „Kunden“ schneller in einen neuen Job vermitteln.

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