Zeitung Heute : Kurzmeldungen

Bernd Matthies

Lassen wir es noch ein wenig weitersprudeln in den Spätsommer, mit einer Reise zu ungewöhnlichen, nur regional bekannten Rebsorten. Für viele Weinfreunde ist der Sommer unweigerlich Rosé-Zeit, und in Österreich bedeutet das meist: Schilcher. Der zart rötliche Wein aus der Blauen Wildbachertraube wird in der Schilcher-Region der Weststeiermark auf einer Fläche von rund zweihundert Hektar angebaut, so wenig, dass angesichts der Wertschätzung im Anbauland selbst wenig für den internationalen Markt bleibt. Wie bei fast allen Rosé-Weinen ist die Qualität dieser Spezialität durchaus schwankend, irgendwo zwischen belanglos und charaktervoll herb.

Der Schilcher-Spezialist Christian Reiterer macht keine belanglosen Weine. Sein perlender Schilcher frizzante , die Spezialität des Hauses, ist eine Cuvée aus unterschiedlichen Lagen mit unterschiedlichen Bodenstrukturen, sehr mineralisch und fein, genau so nach Himbeeren und Johannisbeeren duftend, wie man sich das beim Anblick der Flasche vorstellen mag. Und „frizzante" ist nicht etwa eine feinsinnige Umschreibung für den Zusatz von Kohlensäure; dieser Wein hat eine echte zweite Gärung durchlaufen, perlt fein wie edler Schaumwein und ist am Gaumen erstaunlich cremig.

Der relativ geringe Alkoholgehalt von 10,5 Prozent macht aus ihm einen idealen Sommeraperitif, der dennoch genug Rückgrat hat, um sich auch gegen kräftigen Fisch oder helles Fleisch behaupten kann. Die Flasche kostet 10,40 Euro in der Vinothek Österreich in der Schillerstraße 93 in Charlottenburg.

Der Weißwein des Monats August ist dann doch von anderer Statur. Ein Kraftkerl, der die Wucht der sizilianischen Sonne repräsentiert, aber dennoch alles andere als plump oder rustikal ausfällt - dafür bürgt schon der Name Cusumano , der für die önologische Moderne steht und für die wieder erstarkenden Bestrebungen, in Sizilien mehr Qualitätswein anzubauen und nicht nur subventionierten Grundstoff für die Destillieranlagen. Die Familie Cusumano arbeitet nach dem Cru-Prinzip und sucht in der gesamten Region nach der idealen Verbindung von Boden und Rebe; sie besetzt inzwischen 140 Hektar eigene Rebflächen, die weit über die Insel verstreut sind.

Der weiße 2002 Nadaría Inzolia IGT wird zu hundert Prozent aus der außerhalb Siziliens nahezu unbekannten Inzolia gekeltert, einer sehr alten Rebsorte, die unter zahllosen anderen Namen vorkommt und zum Mischsatz des Marsala und Corvo Bianco gehört. Als Solist zeigt sie angenehme Fülle und Frucht, duftet nach Wiesenblumen, Mirabelle, Citrus, ist füllig und gut strukturiert - überraschend vor allem, da doch praktisch alle Winzer südlich des Gardasees dem Irrglauben anhängen, italienischer Weißwein sei heutzutage ohne Barrique überhaupt nicht mehr zu machen.

Nun zum Besten, nämlich dem Preis: Die Flasche kostet schlanke 5,70 Euro , und zwar im Weinhaus Obermeyer in der Hundekehlestraße 33 in Schmargendorf. Ein neuer Name auf einem bekannten Geschäft: Detlef Obermeyer, einst Maitre bei Siegfried Rockendorf und später Karstadt-Weinspezialist, hat im Frühjahr das alteingesessene Weinhaus Stärk übernommen.

WEINE DES MONATS

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